BLOG

Jede Woche ein Blog von Susanne Petz, Coach, Journalistin, Projekt-Initiatorin
zu Aspekten der Selbstliebe und wie sie unser Dasein beeinflussen können.

Atmen 

Seit rund 25 Jahren beschäftige ich mich mit meinem Atem. Auslöser war ein Sprechtraining beim BR, wo ich für B5aktuell arbeitend auch am Mikrophon saß. Die Sprechtrainerin diagnostizierter in der ersten Stunde: Sie machen gar keine Atempause.

... ist Pause
Das traf mich tief. Ich stellte in den folgenden Wochen fest, dass es auch in meinem Leben kaum eine Pause gab. Einatmen, Ausatmen, Pause. Das ist der normale Rhythmus. Bei mir gab es nur Einatmen, ausatmen – einatmen, ausatmen. Schon indem ich das hier aufschreibe, kann ich den Stress wieder spüren. Ich habe dann viele Jahre lang im Atemhaus München Atemtherapie gemacht.

Inzwischen meditiere ich regelmäßig und tue dies immer über den Atem. So habe ich gleich morgens eine innere Rückmeldung, wie ich in meiner Mitte bin. Doch immer noch gibt es viele Tage, an denen ich irgendwann merke, dass mein Atem wieder ganz flach wird, weil ich einfach nur schnell durchkommen will mit dem Pensum, das ich mir vorgenommen habe.

... ist Leben
Wir atmen meist, ohne darüber nachzudenken. Doch Atem ist Leben. Unser Atem kann uns sehr viel darüber erzählen, wie es uns gerade geht. Ist mein Atem flach oder frei und tief? Belebt mein Atem meinen Körper? Oder zeigt er mir, wie eingeengt ich mich in meinem Körper fühle? Kann ich im Atmen fühlen, wie verbunden ich mit der Welt bin?

Atem ist etwas ganz Einfaches und dennoch können wir sehr grundlegende Einsichten daraus gewinnen. Der Atem ist unsere Verbindung zwischen unserem Bewusstsein und unserem Unbewussten, auch zwischen unserem Körper und unserer Seele. Der Atem ist unsere Verbindung zu uns selbst – und nicht zuletzt sind wir über den Atem auch in Verbindung mit dem anderen, unserem Gegenüber und der Welt. Wenn wir ihm Aufmerksamkeit schenken, können wir viel über uns und unsere Beziehungen erfahren.

... ist Verbindung
Es ist richtig, durch die Nase einzuatmen, denn die Schleimhäute und Härchen in der Nase schützen uns davor, über die Luft z.B. Keime und Krankheitserreger aufzunehmen. Aber Du könntest mal testen, wie unterschiedlich es sich anfühlt, den Mund beim Ausatmen geschlossen zu halten oder mit offenem Mund zu auszuatmen. Letzteres ist eine Öffnung auch Deines Inneren zum anderen hin. Vielleicht kannst Du sie spüren?

Wie nimmst Du Deinen Atem wahr? Welche Gefühle löst Dein Atmen in Dir aus? Ich freu mich über Deine Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

14.11.2020

Mikro-Aggressionen

Mikro-Aggressionen umgeben uns überall. Aufgefallen ist mir das zuletzt im Coaching einer Rollstuhlfahrerin, die sich darüber freute, dass ich sie im Coaching mit meinen Interventionen nicht schonender anfasse, als einen gesunden Menschen. Ich war ganz perplex, dass das schon etwas Besonderes sein soll.

... sind oft Gedankenlosigkeiten
Mikro-Aggressionen kommen oft wie kleine Randbemerkungen daher, nicht selten sind sie humorvoll gemeint, meist gar nicht böse, sondern eher gedankenlos. So wie die Menschen, die die Rollstuhlfahrerin schonen, dies in der Meinung tun, möglichst hilfsbereit sein zu wollen. Doch das macht es nicht leichter, damit umzugehen.

Auch das Lob an eine Frau, dass sie sich in einem Männerumfeld so gut behaupten kann, ist oft nett gemeint. Und frau gilt dann schnell als zickig, wenn sie es einfach nicht humorvoll nehmen will, sondern richtig stellt, wie sie ihre Wirklichkeit sieht.

Der Begriff Mikro-Aggression stammt aus der Sozialpsychologie und meint verbale Angriffe, die Menschen unterbewusst an Einzelne oder auch an ganze Kulturgruppen, oft an Minderheiten, richten. Auch wenn wir alle immer bewusster versuchen, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen, ist wohl kaum jemand wirklich frei davon, andere unbewusst zu entwerten. Eine Form von Mikro-Aggressionen sind Mikro-Entwertungen. Von ihnen sprechen wir, wenn ich mit meiner Art zu kommunizieren die Gedanken und Gefühle des/der anderen ignoriere und zum Beispiel die spezifischen Erfahrungen des/der anderen nicht ernst nehme oder ausschließe.

Wie's ankommt entscheidet
Ob es sich um eine Mikro-Aggression handelt, entscheidet die oder die Betroffene, also die Empfänger*in der Botschaft, nicht die Sender*in. Wenn sich eine Person dafür rechtfertigen muss, dass sie ist, wie sie ist, liegt eine Mikro-Aggression vor.

Nicht jede(r), der/die sich ausgegrenzt oder gebrandmarkt fühlt, kann das ansprechen, manche ziehen sich tendenziell zurück und sagen nichts. Es kostet Kraft, sich gegen Mikro-Aggressionen zu wehren. Gleichzeitig ist es leichter, sich selbst zu korrigieren und weiter zu entwickeln, wenn wir Feedback erhalten.

Diversität ist die beste Lösung
Der sicherste Weg Mikro-Aggressionen abzubauen ist wahrscheinlich, mehr Diversität zuzulassen – flächendeckend, überall. Aber auch, wenn die Welt schon diverser geworden ist, diese Entwicklung wird noch eine ganze Weile dauern.

Wie können wir in der Zwischenzeit gute Wege finden, uns wohlwollend miteinander weiterzuentwickeln? In welches Fettnäpfchen (oder ist das eine Verniedlichung und damit auch wieder eine Entwertung?) musst du inzwischen nicht mehr tappen? Und wie hast du das gelernt? Ich freu mich über Deine Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

7.11.2020

Stärke

Wie toll ist es doch, wenn Mensch spürt, wie kraftvoll Flexibilität und Beständigkeit wirken können.

Gerade jetzt, in einer Zeit, in der die Pandemie viele von uns mit überraschenden Veränderungen konfrontiert, kommen wir mit Durchsetzungsvermögen allein nicht weiter. Flexibilität ist die Stärke der Stunde. Anpassungsfähig zu sein und gleichzeitig im Wesentlichen beständig, und somit keine Angst haben zu müssen, sich selbst zu verlieren. Auch das ist mit gesunder Selbstliebe leichter.

Ich war die meisten Jahre meines Lebens ein toughe Kämpferin und oft auch stolz auf meine Durchsetzungskräfte. Irgendwann habe ich dann gemerkt, wie unentspannt sich das anfühlt und wie anstrengend es auf die Dauer ist, und habe beschlossen meine Haltung zu verändern. Natürlich falle ich immer noch manchmal in das alte Kämpfen zurück…  Wenn das so ist, fällt mir sofort ein Zitat von Laotse ein, das ich bei einer Wanderung in den Ammergauer Alpen vor mehreren Jahren entdeckt habe: „Auf der ganzen Welt gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als Wasser. Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt, kommt nichts ihm gleich. Es kann durch nichts verändert werden. Dass Schwaches das Starke besiegt und Weiches das Harte besiegt, weiß jeder(-mann auf Erden), aber niemand vermag danach zu handeln.“ Auf der Tafel wurde das Zitat abgewandelt, sodass es sich ausdrücklich an Männer richtet. Doch es gibt leider auch sehr viele Frauen, die sich bemühen, den Männern hier wenig nachzustehen.

Zwischen Flexibilität und Beständigkeit
Und heute, in dieser Corona-geprägten Zeit, merke ich dann, wie viel Stärke mir meine Flexibilität und Beständigkeit verleihen. Obwohl meine Arbeit als Coach und Trainerin in der Personalentwicklung derzeit kaum gefragt ist, plagen mich keine Existenz-Ängste. Ich habe kurzerhand ganz andere Arbeiten übernommen. Und auch an der Kasse des Supermarktes habe ich mir meinen unabhängigen Geist bewahrt und konnte meine Selbstliebe spüren. Nach fünf Monaten war es aber genug. Derzeit nutze ich die Freizeit, um an unserem Dokumentarfilm „… wie Dich selbst?“ weiterzuarbeiten. Parallel schaue ich, welche Teilzeitaufgabe es mir als nächsten möglich machen könnte, entspannt nebenher ein bisschen zu coachen bis die Unternehmen wieder über den Tellerrand der aktuellen Krise schauen und mich in gewohntem Umfang buchen.

Wie erlebst Du Deine Stärke? Kennst Du die Gratwanderung zwischen Flexibilität und Beständigkeit?  freu mich über Deine Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

1.11.2020

Unterschiede

Ich mag keinen Smalltalk. Wenn ich Gäste an meinen Küchentisch einlade, freue ich mich auf ein gehaltvolles Tisch-Gespräch. Es darf humorvoll sein, kontrovers, überraschend, nur eins darf es nicht sein: belanglos und oberflächlich.

Die meisten genießen diesen Unterschied. Doch so manch ein Gast hat sich darüber auch gewundert. Bei einem ersten gemeinsamen Abendessen mit oft mehreren bisher unbekannten Tisch-Nachbar*innen so persönlich zu werden, war für ihn oder sie nicht ‚normal‘.

Wir betonen das Trennende
Leider denken wir ja alle, dass der eigene Weg zu sein, die eigene Art zu arbeiten, die eigene Art Auto zu fahren oder mich anzuziehen das ‚Normale‘ ist. Und wer gemessen daran anders ist, fällt auf. ‚Das würde ich nie tun!‘ Es liegt in unserer menschlichen Natur auf Unterschiede fixiert zu sein. Wir entwickeln unsere Persönlichkeit und unsere Individualität, indem wir Unterschiede zwischen uns und anderen erkennen. Über das Wahrnehmen von Unterschieden orientieren wir uns in der Welt und treffen Entscheidungen: das ist gut für mich – das schadet mir. Das bedeutet: weil unsere Erkenntnisse sind mit Unterscheidungen verbunden sind, achten wir viel stärker auf das Trennende, als auf das was uns eint.

Das führt aber auch dazu, dass wir uns mit einem Teil der Welt identifizieren und einen anderen Teil ablehnen. Selten ist uns bewusst, dass diese Entscheidungen nicht objektiv, sondern sehr subjektiv sind und ein Mensch mit anderen Erfahrungen genauso ‚richtig‘ anders entscheiden könnte.

Was ist 'normal'?
Wie schön wäre es, wenn wir Unterschiede schätzen lernen und willkommen heißen. Statt in ‚normal‘ und nicht normal zu unterscheiden. Normalität ist eine gesellschaftliche Konstruktion. Die Mehrheit gibt den Ton an. Und je nach Lebensumständen und Situationen sind es sehr unterschiedliche Mehrheiten. Seit ich in Bayern auf dem Land lebe, bin ich eine Außenseiterin. Vor allem in der Familie meines urbayerischen Freundes. Wenn er und seine Geschwister sich unterhalten verstehe ich – obwohl schon seit 40 Jahren in Bayern lebend – manchmal fast nichts. Ob sie meinen Ruhrpott-Dialekt als willkommenen Unterschied ansehen? Da bin ich nicht so ganz sicher.

Unterschiede machen das Leben spannend
Es ist eine sehr ‚normale‘ menschliche Reaktion wissen zu wollen, was mich erwartet. Im Umgang mit dem Gewohnten agieren wir tendenziell im bequemen Autopiloten-Modus. Mit Unvorhergesehenem konfrontiert, schaltet unser Gehirn seine Warnlampen an und wir müssen uns etwas mehr anstrengen. Andererseits suchen wir doch oft das Abenteuer. Den Unterschied zum Alltäglichen. Diese Unterschiede machen das Leben und das Miteinander doch auch spannend.

Das Problem fängt möglicherweise dann an, wenn wir uns den Unterschied, das Andere eben nicht selbst ausgesucht haben. Könnte es sein, dass die Welt heute so voller Unsicherheiten ist, dass viele Menschen derart an ihre persönlichen Grenzen kommen und deshalb alles, was nicht unbedingt anders sein muss, aus ihrem Leben am liebsten verbannen möchten?   

Darfst Du Erwartungen enttäuschen?
Anderssein beinhaltet oft jedoch auch, Erwartungen zu enttäuschen. Das kann weh tun. Dem anderen sein Anderssein verzeihen, das ist der Anfang der Weisheit, so ein chinesisches Sprichwort. Beides braucht Selbstliebe – sowohl anders sein zu können und damit im Reinen zu sein, als auch den Unterschied/das ‚Andere‘ gelassen wahrzunehmen und nicht zu bekämpfen.

Wenn wir das große Ganze sehen können, fühlen wir, dass wir alle Menschen sind - auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Jede(r) auf ihre/seine Weise. Es ist Reichtum, der in der Vielfalt der Möglichkeiten liegt. Und die Einheit der Welt könnten wir auch in ihrer Vielfalt sehen.
Wie findest Du einen guten Umgang mit Unterschieden? Unterschiedlichen Lebensentwürfen? Haltungen? Meinungen? Ich freu mich über Deine Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe Eure Susanne

24.10.20

Stille

Wenn ich überlege, wie viele Momente ich jeden Tag in Stille bin, dann muss ich zugeben: es sind sehr sehr wenige…

Ich bin vor 12 Jahren aus der Stadt aufs Land gezogen, weil ich das Gefühl hatte, es tut mir einfach gut und ich habe es hier leichter, zu mir zu kommen. Heute kann ich mir ein Leben in der Stadt nicht mehr vorstellen. Nicht nur der Geräuschkulisse wegen, aber auch. Einfach die Natur zu hören - das ist in der Stadt nur schwer möglich. Auf meinen Trainingsreisen, die meist in Großstädte führen, merke ich, dass auch in einer kleinen Stadt immer so ein Rauschen mich umgibt. Das verursacht eine innere Unruhe in mir.

Und wie genieße ich die Stille bei mir zu Hause? Meine Art von Luxus ist es, dass ich auf der Lichtung eines Waldes wohne. Es führt nur ein nicht asphaltierter Waldweg zu meinem Haus. Eigentlich ein Glück, dass ich durch Corona gerade viel mehr zu Hause bin als sonst. Aber bin ich dadurch mehr in Stille?

Musik, um nicht alleine zu sein
Momentan lebe ich allein in meiner Wohnung und mir fällt auf, wie gerne ich dann Musik anmache, um mich nicht alleine zu fühlen. Im Sommer ist das anders. Da sind alle Fenster offen und ich genieße es die Natur zu hören, z.B. die Vögel, wie sie einander morgens wecken. Auch einzuschlafen und dem Bach zuzuhören, der nah an meinem Fenster rauscht. Berauschend.

Die Flucht in Geräusche - ein Automatismus?
Und doch sind es sehr wenige Momente, in denen ich mich dem ganz hingebe. Keine anderen Geräusche, wie Radio, Fernseher, hinzufüge. Stille, wie sie in unserer Geschichte früher sicher zum Leben dazu gehörte, ist zum Ausnahmezustand geworden. Da sind viele Automatismen, mit denen ich mir eine ‚lebendige‘ Kulisse verschaffe. Wahrscheinlich könnte ich auch sagen: Es sind sehr wenige Momente, in denen ich mich mir selbst hingebe. Wenige Momente, in denen ich ohne die Ablenkung irgendeines Lärms zu mir komme. Keine Stille eintreten zu lassen, könnte eine Form meiner Flucht vor der Selbstreflexion sein. Allein die morgendliche Meditation kann für den Mangel an Stille im Alltag sicher kein angemessener Ausgleich sein.

Was bedeutet Stille für dich? In welchen Situationen erlebst du sie ganz bewusst? Ich freu mich über Deine Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe Eure Susanne

17.10.2020

Zufriedenheit

Ich bin zufrieden. Manchmal sagen wir das ganz leicht dahin. Dabei ist wirklich schon sehr viel erreicht, wenn ich zufrieden bin.

Zufriedenheit ist eine Grundstimmung, die Brille, durch die wir die Welt betrachten. Sie ist viel weniger von biographischen Lebensumständen und von den Wendungen, die unser Schicksal nehmen mag, bestimmt, als wir gemeinhin annehmen.

Zufriedenheit ist eine innere Haltung, die auch mit Glück allein nicht erreicht werden kann. Der große Glücksmoment ist eben ein Moment – Zufriedenheit ist ein viel nachhaltigeres Gefühl. Erstaunlich eigentlich, dass so viele Menschen so eine Sehnsucht danach haben, Glück zu spüren. Aber wer träumt davon zufrieden zu sein? Die langlebigere Schwester Zufriedenheit wirkt auf uns, wie ein blasser Abklatsch des großen Glücks. Zufriedenheit – das hört sich für viele an, wie blankes Mittelmaß.

Die langweilige Schwester des Glücks?
Ich erinnere mich, dass mein Vater mir als Jugendliche über sein Lebensprinzip gesagt hat: Er möchte zufrieden sein. Das fand ich schrecklich. Wie kann er sich nur mit so wenig begnügen, war mein Gedanke dazu. Das sehe ich heute anders.

Und deshalb breche ich hier mal eine Lanze für die langweilige Zufriedenheit: Für sie spricht, dass ich, wenn ich wirklich zufrieden bin, mich auf das einlassen kann, was ist. Wenn ich zufrieden bin, kann ich im Hier und Jetzt präsent sein, ohne in Gedanken an eine bessere Zukunft oder bessere Vergangenheit zu flüchten. Ich kann alles so nehmen, wie es kommt. Ich muss nichts verbessern. Mich selbst nicht, meine Leistung nicht und – sehr wichtig für ein gutes Miteinander - auch den/die andere(n) nicht. Manchmal vergessen wir ja, dass Letzteres eh nicht geht.

Zufrieden-sein – das ist ein wunderbarer Zustand. Als zufriedener Mensch liebe ich mich und mein Leben. Und dass heftige Glücksmomente mich überrollen, schließt meine Zufriedenheit ja gar nicht aus – nur passiert das dann, ohne dass ich Wochen, Monate, Jahre mit dem Warten darauf verbracht habe.
Was denkst Du darüber? Ich freu mich über Deine Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne!

10.10.2020

Den eigenen Wert spüren

Jeder Mensch ist einzigartig. Jede(r) von uns hat besondere Talente, Eigenheiten, eine besondere Art und Weise zu sein.

Doch wie erleben wir unseren Wert? Was sind die Situationen, in denen uns bewusst ist, wie wertvoll wir sind? Meist wird uns der eigene Wert dann besonders bewusst, wenn wir uns in den Augen anderer sehen. Wenn wir etwas Besonderes für jemanden getan haben, wenn wir jemanden unterstützt haben, wenn wir Lob erhalten.

...unabhängig von dem, was andere in uns sehen
Ich finde den Begriff Selbstliebe auch deshalb schöner als Selbstwert, weil das Wort Wert gar nicht darin enthalten ist. Selbstliebe ist im besten Fall unabhängig von dem Wert, den der/die andere oder eben die Gesellschaft uns gibt, unabhängig von dem Wert, den wir in den Augen anderer haben, unabhängig von irgendeiner Leistung, die wir erbracht haben.

Leider sind die meisten von uns in der Kindheit so sozialisiert worden, dass wir für Anpassungs-Leistungen belohnt wurden. Gelobt wurde das brave Kind, das fleißige Kind, das freundliche Kind…

Ohje, was ich alles tun müsste....
Oft fühle ich mich wie eine Getriebene. Ständig gibt es so viel, das ich tun ‚müsste‘. Das nimmt einfach kein Ende. Und oft frage ich mich dann, warum ich das alles tue. Aber ich kann es auch nur schwer lassen. Finde immer einen Grund, warum es wichtig ist. Wirklich sicher bin ich nicht, ob nicht auch der Wunsch nach Anerkennung dahinter steckt.

Einfach zufrieden sein
Wenn ich dann aber jetzt an einen Moment der Selbstliebe denke, dann erinnere ich Spaziergänge in der Natur – oft in der Nahe großer, alter Bäume – auf denen ich einfach zufrieden im hier und jetzt bin. Den Moment genieße, ohne irgendetwas tun zu müssen. Mich wohl fühle in meiner Haut, einfach weil mein Atem sich ganz frei anfühlt.

Wo spürst Du Deinen Wert ganz für Dich? Ohne Rückmeldungen von außen? Wir freuen uns über Deine Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne!

3.10.2020

Lernen wir aus unserer Vergangenheit?

Heute ist Tag der Deutschen die Einheit. Seit 30 Jahren feiern wir diesen Tag. Lernen wir daraus etwas für unsere Zukunft?

Mir ist z.B. noch stark in Erinnerung, dass der Westen in dieser Wiedervereinigung so tonangebend war. Das hat das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl vieler ostdeutscher Menschen sicher schwer nach unten gezogen. Möglicherweise ist dieses Gefühl mehr tun zu müssen, um genauso gewertschätzt zu werden bei vielen Menschen, die in Ostdeutschland zu DDR-Zeiten in den Beruf eingestiegen sind, heute noch vorhanden.

Wenn ich mir anschaue, wie wir heute mit den Menschen umgehen, die aus krisengeschüttelten Ländern der Welt bei uns Zuflucht suchen, dann haben wir nicht so viel daraus gelernt.

Mein gnaz persönlicher Feiertag?
Und was lerne ich aus meiner ganz persönlichen Vergangenheit? Eigentlich schade, dass ich - unabhängig von Beziehungsjahrestagen – keine eigenen Feiertage begehe.

Ich könnte ja auch feiern, vor 10 Jahren nach langem Zögern eine ungute Partnerschaft beendet zu haben. Oder den Tag einer ganz besonderen Meditation. Und ein kleiner Aspekt des Feierns könnte sein, darüber nachzudenken, wie dieser entscheidende Schritt sich heute in meinem Leben bemerkbar macht.

Eine Erfahrung ist...
Damit eine Erfahrung wirklich in unserem Inneren ankommt und sich auf unser künftiges Verhalten auswirkt, müssen wir uns Zeit nehmen, sie zu reflektieren. Und manchmal vielleicht auch: Sie öfter zu reflektieren. Unser Blick auf das Geschehene verändert sich. Von mir weiß ich: Der hinterfragende Blick auf mich selbst fällt mir leichter, wenn ich etwas zeitlichen Abstand gewinnen konnte. Dafür wären so ganz persönliche Feiertage eigentlich was Tolles.

Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan, die mal unsere Bundespräsidentin werden wollte, hat mal gesagt: Aus der Vergangenheit lernen heißt Zukunft gewinnen. Wie wahr.

Welches Ritual oder welchen persönlichen Feiertag könntest Du einführen, um Deine Vergangenheit bewusster ins Jetzt zu integrieren? Wir freuen uns über Eure Ideen und Tipps in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne!

25.9.2020

Die eigene Ur-Suppe

Wir neigen dazu, uns mit Menschen zu umgeben, die ähnlicher Meinung sind wie wir selbst. Klar. Es ist ja auch schön, zu spüren, dass man sich auf einer Wellenlänge befindet. Aber dadurch bewegen wir uns mehr oder weniger in unserer eigenen ‚Filterblase‘. Die Durchlässigkeit zu Andersdenkenden wird - gefühlt - immer geringer.

Wegklicken ist einfach
Meine Vermutung ist, dass dies auch darauf zurückzuführen ist, dass das Internet mehr und mehr zu unserer ersten Informationsquelle wird. Im Unterschied zum Radio, der Tageszeitung oder dem Fernsehen, können wir im Netz ganz individuell aussuchen, welche Informationen wir an uns heranlassen. Das Internet macht es uns leicht, Informationen, die nicht zu unserem Vorwissen oder unserer Einstellung passen, wegzuklicken und zu ignorieren.

Stell ich mich noch in Frage?
Die Folge: Wir richten uns in liebgewonnenen Ansichten ein. Es findet immer weniger Austausch zwischen den unterschiedlichen Haltungen statt. Wir überprüfen die eigenen Überzeugungen weniger anhand des Widerspruchs unseres Gegenübers und stellen uns und unsere Überzeugung weniger in Frage.

Was aber nicht mehr geübt wird, verkümmert. Je weniger wir uns Diskussionen aussetzen, desto eher fühlen wir uns angegriffen, wenn dann doch mal jemand seine unerwartet entgegenstehende Meinung äußert. Ich habe sogar das Gefühl, dass es – zum Beispiel bei einem Abendessen unter Freund*innen - schon nicht mehr zum ‚guten Ton‘ gehört, seine Außenseiter-Position offen preiszugeben, wenn man ahnt, dass der Rest der Runde anderer Meinung ist.

Wenn es dann doch mal zu einer kontroversen Auseinandersetzung kommt, ist der Ton schnell unversöhnlich. Wir kanzeln einander ab für die ‚unmögliche‘ Haltung, die der/die andere übernimmt. Besonders beliebt ist derzeit das Abstempeln von Corona-Kritiker*innen als Verschwörungstheoretiker*innen.

Verstummung
So verstummt der Dialog, der für eine Demokratie und für jede persönliche sowie gesellschaftliche Weiterentwicklung unabdingbar ist. Ich träume davon, dass gesunde Selbstliebe uns ermöglicht, den anderen / die andere empathisch verstehen zu wollen, auch wenn er/sie ganz anders tickt als ich. Davon, dass wir Widersprüche gelassen stehen lassen und aushalten können und uns trotzdem auf Augenhöhe begegnen können. 
Ich freue mich auf Eure Lösungs-Ideen und Zukunftsbilder in unserer Facebook-Gruppe:   www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

19.9.2020

Scheitern? - Macht schlau!

Scheitern gehört zum Leben dazu. Zum Arbeiten sowieso. Denkt man an Errungenschaften wie Penicillin, Teflon Tesa oder Post it’s, liegt es auf der Hand: Innovationen sind häufig das, was man zunächst als Fehler oder menschliches Versagen abtun wollte. Wer immer alles richtig macht, entwickelt sich nicht weiter. Wir sollten auf unser Scheitern stolz sein, denn wir haben es immerhin versucht und versuchen es vielleicht wieder – nur eben hoffentlich anders.


Wir riskieren zu wenig
Doch ich vermute: Wir Erwachsenen riskieren viel zu wenig. Klar: Wer weniger riskiert, läuft auch weniger Gefahr einen Fehler zu machen. Ist das nicht ein wenig langweilig?

Wie häufig fällt ein Kleinkind hin, bis es laufen kann? Einer Studie der New York University zufolge hundertmal, und zwar pro Tag! Und immer wieder richtet es sich auf und versucht es auf’s Neue. Und irgendwann hat es dann raus, wie es gehen könnte.

Krönchen aufrichten und weitermachen
Das ist eigentlich mein Lieblingsspruch dazu. Aber das könnte leider auch beinhalten, sich schnell aufzurichten und von dem, was passiert ist, nichts mehr wissen zu wollen.

Wie würde sich unsere Gesellschaft weiterentwickeln, wenn wir alle mehr riskieren würden? Und auch unsere Scheiter-Erfahrungen gerne preisgeben und diskutieren? Um neue Lösungen zu entdecken und andere zu unterstützen, nicht den gleichen Quatsch zu machen.

‚Aus Fehlern lernen‘lautet die Volksweisheit dazu. Natürlich scheitert niemand gerne und das ist auch der Grund, warum es so angenehm ist, sich schnell neuen Themen zuzuwenden. Dabei ist klar: Aus kaum einem Erfolg können wir so viel lernen, wie aus unseren Fehlern!

Und immer wieder: Wer ist schuld?
Der Lüneburger Arbeitspsychologe Michael Frese hat die Fehlertoleranz in 61 Ländern der Welt verglichen. Deutschland landete auf Platz 60, vor Singapur. Im Weg steht uns vor allem die Suche nach den Schuldigen. Wer sich schuldig fühlt, verschließt sich. Eine gemeinsame Reflexion des Scheiterns wird als An-den-Pranger-Stellen empfunden.

Da haben wir noch sehr viel zulernen.
Jede Veränderung beginnt mit einer verheißungsvollen Zukunftsvision. Malt Euch mal aus: Wie viel anders könnten wir miteinander umgehen, wenn wir eine positive Fehlerkultur haben? Ich freue mich auf Eure Lösungs-Ideen und Zukunftsbilder in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

12.9.2020

Schnell, schneller, am besten?

Ich hatte als Filmproduzentin vor über 10 Jahren einen Kollegen, die über mich lästerte: Susanne ist immer sehr schnell, aber weiß sie auch immer wohin sie rast? Damit hat er nicht unrecht gehabt. Die Verantwortung, mit einer Filmproduktions-GmbH genug Aufträge an Land zu ziehen, um alle Arbeitsplätze zu erhalten, hat mir ordentlich Druck gemacht.

Inzwischen bin ich als selbstständiger Business-Coach nur für meinen eigenen Lebensunterhalt verantwortlich. Der Druck ist geringer geworden. Die Arbeitsverdichtung hat dennoch zugenommen. Es hat eine Pausenlosigkeit Einzug in mein Leben erhalten, die eigentlich nicht gesund sein kann.

Damals als Filmproduzentin habe ich es mir geleistet, auch mal 3 Wochen am Stück in den Urlaub zu fahren, ohne mein Laptop mitzunehmen oder am Handy die Mails zu checken. Heute erlebe ich mich bei dem Gedanken, selbst auf der Toilette noch schnelle eine SMS zu lesen.

Natürlich weiß mein Verstand, dass Pausenlosigkeit und dauerhaft überhöhte  Geschwindigkeit eigentlich niemandem wirklich nutzten. Wenn keine Zeit zur Reflexion bleibt, rauschen Erfahrungen an uns vorbei, als hätten wir sie gar nicht gemacht. Das hat zum Beispiel die Konsequenz, dass wir manche Fehler immer wieder machen werden, weil die entsprechende Erfahrung eben nicht reflektiert haben. Dadurch kommen wir trotz – oder besser aufgrund - überhöhter Geschwindigkeit letztendlich langsamer zum Ziel.

Aber dennoch ist es gar nicht so leicht das Tempo rauszunehmen.

Ein Trick ist
....sich vorzustellen, was ich gewinne und nicht daran zu denken, was ich aufgeben muss. Also, was gewinne ich durch das Wieder-Entdecken der Langsamkeit?

Von der Schnecke lernen
Wenn ich die Schnecke betrachte, gewinne ich z.B. Achtsamkeit für die kleinen Dinge, mit denen ich in Berührung bin. Diese kleinen Dinge können mir ja Impulse und Erkenntnisse geben, die für mein Leben wichtig sind.

Elisabeth Tova Bailey hat in dem Buch „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ beschrieben, was sie von den Schnecken lernen konnte. Sie freundete sich während einer Erkrankung, die sie ans Bett fesselte, mit einer Schnecke an. Eins ihrer Beobachtungs-Erkenntnisse lautet: „Denk nicht daran, wie viel zu tun ist, welche Schwierigkeiten zu bewältigen sind, sondern widme dich gewissenhaft der kleinen Aufgabe, die gerade ansteht.“ In meinen Worten heißt das: Ich widme mich dem Jetzt, dem was jetzt gerade ist – ohne ständig im Hirn zu haben, was jetzt eigentlich schon längst sein sollte. Ich freue mich auf Eure Kommentare und Eure Wege zur Langsamkeit in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

6.9.2020

Geduld!

Keine Zeit. Das ist ein Mantra unserer Welt. Corona hat uns ein bisschen entschleunigt, aber Ungeduld und der ständige Blick auf die Uhr herrschen immer noch allerorten.

Gerade in unserer immer komplexer werdenden Welt registrieren Psychologen eine große Sehnsucht nach Klarheit und Sicherheit – und damit verbunden eine Ungeduld, was Vorläufigkeit, Unsicherheit und Mehrdeutigkeiten angeht.

Das erinnert mich an den Rat einer Therapeutin, die mich lange unterstützt hat. Ich fragte mich, ob ich noch ausharren oder mich jetzt von meinem Mann trennen sollte. Ihre Antwort lautete: Du kannst einfach warten, bis in Deinem Inneren eine klare Antwort aufkeimt und dann handeln. Erst dachte ich: Das ich ja wohl zu einfach. Aber es hat funktioniert und ist seitdem meine Herangehensweise an wichtige Lebensentscheidungen.

Vertrauen in die Zukunft
Wenn wir Vertrauen darin haben, dass sich im Miteinander Veränderungen und Lösungen zeigen werden, müssen wir nicht mit einem fertigen Konzept aufwarten, sondern können geduldig wahrnehmen, wie sich die Dinge formen. Das ist oft auch meine Antwort, wenn ich im Business-Coaching zum Umgang mit Konflikten arbeite: Bitte nicht mit der - in den eigenen Augen - einzig richtigen Lösung in die Gespräche gehen, sondern offen für das sein, was sich im Miteinander-Reden als Lösung anbietet. So entstehen meistens auch die besseren Entscheidungen. Alles in allem betrachtet dann oft sogar in der kürzeren Zeit.   

Darf ich trotzdem thematisieren, wenn ich merke: Wir treten gerade auf der Stelle? Aber sicher! Nur nicht bewerten, sondern einfach beschreiben, was ich gerade erlebe. So als hätte eine Kamera es gefilmt. (das entspricht dem erste Schritt in der Gewaltfreien Kommunikation).

Gerade, weil wir alle viel zu schnell unterwegs sind, kommen viele Erfahrungen gar nicht wirklich in unserem Inneren an. Da kann es durchaus hilfreich sein, wenn jemand wohlwollend wiederholt, was gerade passiert ist. Für echte Entwicklung ist hohe Geschwindigkeit – oder eben auch Ungeduld – alles andere als förderlich. Und für einen echten Dialog auch!

Ich freue mich auf Eure Kommentare und Euren Umgang mit der eigenen Ungeduld in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

28.8.2020

Wenn Dein Home Dein Office ist….

Durch Corona kennen auf einmal ganz viele Menschen die kleine Herausforderung, die vorher vielen Selbstständigen vorbehalten war: Was tun, wenn die Arbeit einen auch zu Hause anlacht? Ich habe zwar eigentlich Wochenende, aber was sich auf dem Schreibtisch türmt, kann ich von der Küche aus sehen und es spricht zu mir, auch wenn ich nicht sprechen will: Komm zu mir, du wirst froh sein, wenn du mich weggearbeitet hast. Ich liege doch schon so lange hier und warte auf Dich. Es wird für Dich von großem Vorteil sein, wenn Du mich jetzt noch schnell erledigst…..

Mit einem Office im Home ist die Life-Balance nicht immer leicht. Davon können auch festangestellte Menschen jetzt ein Lied singen. Nicht nur, dass zur Arbeitszeit die kleinen Ablenkungen wegfallen, die einen zum Pause-Machen einladen, wie die Kaffee-Küche, in der die Kolleg*innen zu einem Schwatz bereit sind, oder der Flur, auf dem wir uns treffen, oder die Kantine, zu der wir einen kleinen Spaziergang machen können. Für Pausen müssen wir mangels Ablenkungen im Home-Office ganz allein – und damit viel bewusster sorgen.

Auch das Ende eines Arbeitstages ist eben oft nicht das Ende, z.B. weil im Fernsehen eh nichts Vernünftiges kommt oder die Freundin einen versetzt hat oder ein Gleich-Erledigen doch erhebliche Vorteile bringen würde, auch wenn es schon 20:15 ist.

Meine Tricks das zu schaffen:

  1. Ich überlege mir zu Beginn des Arbeitstages, wie lange ich arbeiten möchte und trage diese Uhrzeit auch als letzten Punkt auf meine Tages-To-Do-Liste ein.
  2. Ich nehme keine Unterlagen aus dem Büro mit in andere Zimmer meiner Wohnung.
  3. Ich esse nicht am Arbeitsplatz, sondern wechsle immer den Raum.
  4. Ich nutze während der Arbeit jede Gelegenheit ein paar Schritt zu gehen - und sei es nur zum Briefkasten, der bei mir außerhalb des Hauses gut 100 Meter vom Büro entfernt ist - damit die Bewegung und das tiefere Atmen im Gehen mir wieder einen klaren Kopf machen.

Wie gelingt Dir eine gute Life-Balance? Welche Tricks hast Du, um zu spüren, wann du mal wieder aufstehen und eine Pause machen solltest oder um abends wirklich im Freizeit-Modus zu bleiben?  Ich freue mich auf Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

22.8.2020

Du bist wichtig!

Nimm Dich nicht so wichtig. Das ist eine der Anweisungen, die mir aus meiner Kindheit noch allzu gut im Ohr ist. Auch Trag den Kopf nicht so weit oben erinnere ich gut. Es ist ein langer Weg von damals bis zu der Initiative für mehr Selbstliebe, die ich dieses Jahr gestartet habe.

Viele Jahre lang habe ich vor allem gekämpft, um meinen Platz im Leben zu behaupten. Ich habe lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass es auch leichter geht. Dass dieses Kämpfen, mit dem ich viel Widerstand geerntet habe, gar nicht nötig ist, sobald ich mich selbst in gesunder Weise lieben kann und darf. Gesunde Selbstliebe lässt uns Kraft und Energie und Selbstverständnis ausstrahlen. Und diese Zuversicht ist ein erster Schritt so zu leben, wie wir gemeint sind.

Zuerst in meinen Coachings und nun in unseren Drehs zu unserem Dokumentarfilm über die Selbstliebe fällt mir auf, dass viele Menschen es fast nicht wagen, stolz auf sich zu sein. Sie wollen nicht als eingebildet, eitel oder ich-bezogen gelten. Sie wollen sich auch nicht selbst loben. Und spielen herunter, was sie auszeichnet.

Ich meine, ich darf stolz auf eines meiner Talente sein und kann zugleich wissen, dass nicht alles an mir perfekt ist. Woher kommt die Befürchtung, dass mein Stolz mich blind machen könnte für die vielen anderen Dinge, die mir weniger gut gelingen?

Ich finde es schade, wenn ich einen Menschen erlebe, der oder die auf das, was sie/ihn ausmacht, nicht von Herzen stolz sein kann. Schade für diesen Menschen, denn im Stolz kann auch eine Kraft liegen, die ihm dann nicht zur Verfügung steht. Und auch schade für mich, denn dieses Gegenüber bringt mich dazu, mich auch zu begrenzen, weil ich sonst das Gefühl hätte, überproportional viel Raum einzunehmen. Und wenn mir das mal nicht gelingt, spüre ich nicht selten distanzierte Blicke, die mir zeigen, dass ich wieder mal über die Stränge geschlagen habe.

Auf dem Foto seht ihr das Armaturenbrett eines Taxis in Tiflis, Georgien. Wir waren dort im letzten August. Der Aufkleber des Fahrers hatte es mir angetan. Stolz zu sein heißt eben auch, mich echt und authentisch zu zeigen und nicht zu verstecken!

Auf welches Deiner Talente, auf welcher Deiner Eigenheiten bist du stolz? Ich freue mich auf Eure Erkenntnisse zum Stolz und auf den Umgang damit, den Ihr gefunden  habt. Unsere Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Susanne

15.8.2020

Komm mir nicht so nahe!

Wir sitzen in einem italienischen Restaurant. Jedes Mal, wenn der Kellner an unseren Tisch kommt, berührt er meinen Rücken oder legt beim Reden seine Hand auf meinen Arm. Ich werde wahnsinnig. Wahrscheinlich gerade auch deshalb, weil ich in diesem Moment keine Idee habe, wie ich den Mann freundlich und humorvoll sagen kann, dass mir das unangenehm ist.

Es gibt Menschen, die kommen anderen am Tisch oft sehr nahe. Andere berühren die  Gesprächspartner*in beim Sprechen am Arm, manchmal weil Sie eine Information verstärken wollen oder Zustimmung wünschen. Oder Du gehst zu zweit spazieren und der/die andere kommt immer wieder nahe an deine Seite. Du hast aber auf der anderen Seite vielleicht keinen Platz, um auszuweichen.

Jeder Mensch hat ein anderes Gefühl für den Mindestabstand, der zu wahren ist, also ein unterschiedliches Distanz-Empfinden. Auch die Kultur, in der wir aufgewachsen sind, prägt dieses Gefühl. Es ist in Italien eben anders als in Deutschland. Und sicher hat es sich durch Corona und die neuen Regeln noch einmal verändert.

Proxemik
In der Wissenschaft existiert ein eigener Begriff dafür: Proxemik. Von Intimdistanz spricht man bei einem Abstand zwischen Null und 45 Zentimetern. In diesen Raum lassen wir nur die engsten Freunde, Familie und den eigenen Partner. Die nächste Stufe ist die persönliche Distanz, von 45 bis 120 Zentimetern, reserviert für gute Freunde und Verwandte. Manchmal auch möglich mit guten Kolleg*innen oder jemandem, der/die uns auf einer Party sympathisch erscheint. Bei einem Abstand von 120 bis 360 Zentimetern sprechen Experten von sozialer Distanz. In diesem Bereich findet Kontakt mit Menschen statt, die wir weniger oder noch gar nicht kennen.

Stimmen diese Maßeinheiten zu Corona-Zeiten überhaupt noch? Mir fällt auf, dass ich jetzt schon viel früher auf die Nähe von Menschen reagiere, als vorher. Außerdem macht die Corona-Begründung es sehr viel leichter, zu reagieren. Das Ganze ist damit nicht mehr so persönlich, sondern hat einen ‚offiziellen‘ Grund. Gleichzeitig passiert es mir manchmal aber auch, dass ich anderen zu nahe komme.

Zu viel Nähe macht Stress
Wie viele Menschen komme ich durch zu wenig Abstand unter Stress. Ich fühle mich ohnmächtig. Sicher auch, weil es – mal abgesehen von der Corona-Begründung - nicht so leicht ist, darauf nett zu reagieren. Besonders bei Freunden und mir bekannten Menschen fällt mir die Reaktion schwer. Bei Fremden scheint es mir nicht so wichtig zu sein, wie sie hinterher über mich denken. Ich brauche dann lange, um eine Rückmeldung zu geben. Schließlich möchte ich den/die andere nicht verletzen. Gleichzeitig fällt es durch den Druck, der in mir durch das Zögern entsteht, immer schwerer, eine entspannte, freundliche Rückmeldung zu geben.

Körperliche Signale
Gerade, wenn meine körperlichen Signale, die ich mit der Bitte um mehr Abstand aussende, nicht ankommen, steigt in mir oft eine kleine Wut hoch. Kennst Du das? Da muss ich dann besonders aufpassen, mein Feedback in einer Ich-Botschaft (z.B. ‚Ich fühle mich mit etwas mehr Abstand wohler.‘) rüberzubringen und den/die andere nicht anzuklagen.

Er meint gar nicht mich
Mir bewusst zu machen, dass der/die andere wahrscheinlich gar keine besonderen Absichten damit verbindet, sondern eben ein anderes Distanz-Empfinden hat, könnte den Druck eigentlich rausnehmen. Das Verhalten verliert so die persönliche Dimension. Es gilt nicht mir, sondern ist ein Automatismus.

Ich freue mich auf Eure – vielleicht auch witzigen – Erlebnisse zu diesem Thema und natürlich auch auf die Lösungen, die Ihr gefunden habt. Unsere Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

9.8.2020

Widerstand zwecklos

Es gibt nur ein Thema, bei dem ich diese Haltung habe: Der Umgang mit Veränderung.

Das Leben verändert sich in jeder Sekunde. Nichts bleibt wie es ist. Alles ist in Bewegung. Das Leben ist Veränderung. So wie diese Pusteblume vorher ein Löwenzahn war, ist es auch in unserem Leben. Die Transformation gehört zu unserem Dasein. Sich dagegen zu stellen ist zwecklos.

Wir sind Bewahrer
Dass wir in unserer Zivilisation die großen Bewahrer sind, ist mir in Indien aufgefallen. Die Hütten am Strand in Goa müssen die Inder und Inderinnen jedes Jahr nach dem Monsun wieder neu aufbauen. Alles, was sie sich erschaffen, ist immer nur für ein Jahr. Ich habe mich sofort gefragt, wie sich das für die sonstige Lebenseinstellung unserer Gastgeber*innen auswirkt. Können sie auch in anderen Dingen leichter loslassen, wenn die Natur den Strand jedes Jahr auf’s Neue zerstört und etwas verändert wieder aufbaut? Brauchen sie auch in Liebe und Freundschaft weniger Sicherheit, weil die Natur sie den Umgang mit Unsicherheit immer wieder auf’s Neue lehrt?

Wir bauen Häuser für die Ewigkeit.
Kämpfen mit bezahlbarem Wohnraum für alle. Gleichzeitig leben viele ältere Menschen in Häusern, die nach dem Auszug der Kinder viel zu groß für sie sind. Ich glaube, es gibt ganz viele ‚Ersatzhandlungen‘, mit denen wir versuchen uns eine Sicherheit vorzugaukeln, die es eigentlich gar nicht wirklich geben kann. Nicht zuletzt mit dem Trauschein…

Sicher die meisten Veränderungen werden von außen angestoßen, nur die wenigsten kommen ganz aus uns selbst heraus. Auch die Veränderungen, die der Kreislauf des Lebens uns verordnet – wie die Veränderung der persönlichen Handlungsspielräume, die das Älter-Werden mit sich bringt – sind nicht immer leicht zu nehmen.

Zur Entwicklung herausgefordert
Und viele Veränderungen, die ich nicht selbst eingeleitet habe, haben in meinem Leben zu ganz tollen Entwicklungen geführt. Obwohl ich nebenbei schon angefangen hatte zu coachen, wurde meine Arbeit als angestellte Filmproduzentin von dem Unternehmen beendet. Zum Glück! Ich hätte diese Sicherheit sicher noch länger nicht aufgegeben. Heute weiß ich, dass ich im Coaching meine wahre Berufung gefunden habe. Auch wenn ich sehr gerne schreibe und ab und an immer noch gerne filmisch arbeite.  

Es liegt an uns, wie wird mit dem umgehen, was das Leben uns beschert. Nimmst Du es als willkommene Anregungen? Oder als Störung im Umsetzen Deiner Pläne? Und wie gehst Du mit Menschen um, die gerade in einer anderen Lebensphase stecken oder mit anderen Veränderungen hadern, als Du? Ich freue mich über Eure Sichtweise in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

3.8.2020

Mit dem Wind?

Ich muss zugeben: Ich bin eine sehr vom Willen angetriebene Person. Früher ging das dann manchmal mit dem Kopf durch die Wand. Auch heute noch wundert sich mein Freund immer wieder, mit welcher Zähigkeit ich meine Ziele verfolge. Dass ich jemanden an meiner Seite habe, der sich eher an das hält, was einfach möglich ist, zeigt vielleicht, dass ich heute weiß, wie gut es ist, auch diesen Anteil in mein Leben zu integrieren.

Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.
Dieses , Zitat, das dem römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca zugeschrieben wird, habe ich in meinen Coachings schon oft erwähnt. Ich habe immer wieder Menschen getroffen, die es nicht wagen, sich ein Ziel vorzunehmen, das ihren wahren Neigungen entspricht.  Gleichzeitig können Ziele auch blind machen, für das, was jetzt gerade auch möglich ist.


Es ist gar nicht so leicht, die richtige Balance zu finden, zwischen Etwas-Erreichen-Wollen und zu schauen, was sich gerade ergibt.

Zweifeln kann hilfreich sein
Eine Methode, die ich sehr schätze, ist: Mir ein Ziel vornehmen und dann zu schauen, ob ich Synchronizitäten entdecken kann. Synchronizität bezeichnet die zeitliche Korrelation von zwei oder mehr Ereignissen, die unabhängig voneinander eintreten (vgl. C.G. Jung). Wenn es Synchronizitäten gibt, die mich in meinem Ziel bestärken, bleibe ich dabei. Wenn mehrere Dinge eintreten, die mein Ziel sehr schwierig zu erreichen machen oder die in eine andere Entwicklungsrichtung deuten, dann überlege ich, ob meine Idee wirklich die richtige ist.

Die Angst, dass ich dadurch zu schnell aufgebe, ist für mich persönlich unbegründet. Wir haben zum Beispiel letzte Woche erfahren, dass wir die Projektentwicklungsförderung des FFF für unseren Dokumentarfilm zur Selbstliebe nicht bekommen. Das lässt mich aber nicht an dem Projekt zweifeln. Ich glaube daran, dass wir mit unserem Film viele Menschen zum Nachdenken darüber anregen können, ob sie so leben, wie sie ‚gemeint‘ sind. Vielleicht wird es aber so sein, dass wir den Film ganz frei produzieren müssen, weil wir viele Erwartungen, die Förderung und Sender an so einen Film stellen, nicht erfüllen möchten. Wenn mein Team diesen Weg nicht mitgehen wollen würde, wäre aber sicher ein Punkt erreicht, an dem ich neu nachdenken muss.

Wechselwirkungen wahrnehmen
Hartnäckig meine Ziele zu verfolgen kann bedeuten, dass ich für die anderen anstrengend bin. Wichtig ist mir, dass meine Ziele mich nicht von der Welt entfernen, sondern dass ich mich damit als Teil des Ganzen empfinde, dass ich mich der Diskussion stelle, neue Argumente mich immer wieder zum Überdenken bringen und ich die Wechselwirkungen wahrnehme.

Mit Hund und Rad um die Welt
Auf dem Foto seht ihr einen Mann, dem ich 2019 in Georgien begegnet bin und der mit seinem Hund auf dem Fahrrad die Welt umrunden wollte.14.000 km hatten die beiden schon geschafft. Einerseits habe ich hohen Respekt vor der Leistung und Anstrengung der beiden – andererseits habe ich mich sofort gefragt: Kann das für den Hund wirklich eine angenehme Erfahrung sein?

Wie findet Ihr die Balance zwischen Ziele-Verfolgen und Es-Leicht-Nehmen? Ich freue mich über Eure Sichtweise in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

24.7.2020

Verzeihen?

Mal ehrlich: Wer trägt nicht irgendeinen Groll mit sich herum? Leider nehmen wir uns oft nicht die Zeit, da genauer hinzuschauen. Doch diese negative Energie schadet sowohl jedem einzelnen, aber auch uns allen.  

Wir haben ja viele gute Argumente, wenn wir unserem Groll nicht auf den Grund gehen: Es ist doch nicht so schlimm, man kann sich ja aus dem Weg gehen, der andere/die andere greift das Thema ja auch nicht mehr auf….

Wen strafe ich mit Nicht-Verzeihen?
Doch wer länger einen Groll mit sich herumträgt und nicht verzeihen kann, straft am Ende vor allem sich selbst. Unsere Seele kommt dann einfach nicht zur Ruhe. Der häufigste Grund, warum wir nicht verzeihen, ist unser Stolz. Wir fühlen uns so gekränkt, dass wir es uns selbst nicht verzeihen würden, wenn wir darüber ‘hinwegsehen’. Aber Verzeihen ist kein ‘Hinwegsehen’, es ist loslassen. Und mit dem Verzeihen tun wir vor allem uns selbst einen Gefallen und nicht dem/der anderen.

Einer der Denkfehler
Einer der Denkfehler beim Nicht-Verzeihen-Können ist zu glauben, das Problem sei, welch Schreckliches uns angetan wurde. Das ist es aber nicht. Das Problem ist, wie wir bewerten, was uns angetan wurde. Spannend kann es auch sein, sich zu überlegen, welch tieferer Sinn in dem Ereignis schlummern könnte. Was will mir diese Verletzung über meinen (Lebens-) Entscheidungen/mein Verhalten/meine Bedürfnissen sagen?

Verzeihen bedeutet auch nicht, das Verhalten des anderen gutzuheißen. Du kannst Dich nach wie vor davon abgrenzen, aber es der Person nicht mehr übel nehmen. Du musst nach dem Verziehen auch nicht wieder dicke Freunde werden. Du kannst den Kontakt einschränken und dein Leben nicht mehr mit dieser Person teilen. Aber loslassen beinhaltet, keinen Hass mehr zu spüren, wenn du an sie oder ihn denkst.

Den Groll loslassen
Wir neigen dazu, alle positiven Dinge zu vergessen, wenn wir verletzt oder enttäuscht wurden. Wir versteifen uns auf diesen einen Vorfall, anstatt die gesamte zwischenmenschliche Beziehung zu betrachten. Das ist schade und bringt einen Missklang und schlechte Energie - auch in das eigene Leben.

Und ich glaube, es hat auch einen Einfluss auf unser gesamtes Miteinander. Was meint Ihr? Wie würde sich die Welt verändern, wenn wir unseren Groll nicht konservieren, sondern bearbeiten und loslassen? Ich freue mich über Eure Sichtweise in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

19.7.2020

Gibt's ein Leben ohne Vergleichen?

Jeder Mensch ist unvergleichlich. Doch sich mit anderen zu Vergleichen ist ein psychologischer Prozess. Für Kinder ist er wichtig für ihre Entwicklung: Sie lernen, indem sie ihre Umwelt beobachten und nachahmen. Aber das sitzt dann so tief drin und hört auch im Erwachsenen-Alter nicht auf. Mit meinen 59 Jahren ertappe ich mich bis heute ständig beim innerlichen Vergleichen: Die ist viel schlanker als ich, die hat viel mehr Aufträge, dem fällt alles in den Schoß und ich muss mich immer so anstrengen….. Ihr kennt das wahrscheinlich nicht, oder? Auch sogenannte Abwärtsvergleiche sind mir nicht fremd. Da genieße ich es dann vielleicht, dass ich körperlich doch etwas fitter bin, als eine Freundin.

Wer ist die Schönere im Land?

Diese innere Konkurrenz macht natürlich niemanden froh. Ich selbst fühle mich schlecht, wenn ich mich in dieser Denkgewohnheit ertappe. Aber auch dem/der anderen geht’s nicht gut, denn mein Gegenüber spürt ja, wie der Neid oder die Konkurrenz eine Mauer zwischen uns entstehen lassen.

Auf der Suche nach Maßstäben
Doch einfach unterdrücken, so funktioniert unsere Psyche ja nicht. Was wir unterdrücken möchten oder unter den Teppich kehren, kommt an anderer Stelle umso machtvoller wieder hoch. Ich bin auch nicht sicher, ob wir uns ganz ohne Vergleiche entwickeln können. Mich zu vergleichen, damit suche ich ja auch die Maßstäbe, an denen ich mich orientieren möchte. Andererseits gehöre ich einer Schule an (https:/www.diamondapproach.org/deutschland), in der wir davon ausgehen, dass es für das innere Reifen genügt, die Gegenwart präsent und liebend wahrzunehmen.

3 Tipps:
Für die ‚Zwischenzeit‘ habe ich drei Tipps für den Umgang mit dem Vergleichen gefunden, die mir hilfreich erscheinen:

1. Nicht nur die eine tolle Eigenschaft oder Leistung des anderen zu sehen, sondern das Gesamtpaket, das vielleicht dann doch nicht den eigenen Lebensvorstellungen entspricht (ich werde z.B. sicher nicht auf den Kuchen verzichten, den ich so liebe, um noch etwas schlanker zu werden).

2. Wenn es etwas gibt, was ich für wirklich erstrebenswert halte, zu visualisieren, dass ich mich schon in dem Ideal-Zustand befinde und mir ein Bild davon zu machen, wie es mir ‚jetzt‘ geht. Dies ist der erste wichtige Schritt, um eine Veränderung auf den Weg bringen zu können.

3. Die sogenannten Abwärtsvergleiche vorzugsweise anhand der eigenen Vergangenheit vorzunehmen. Also, wenn ich einen Vergleich brauche, um mein Wohlbefinden zu päppeln, mir klar zu machen, nicht bei anderen zu suchen, sondern in meiner eigenen Vergangenheit Situationen zu finden, wo es schlechter war und mir anhand dessen bewusst zu machen, was ich seitdem schon Gutes erreicht habe. Wichtig ist, hier immer auf einen ganz bestimmten Aspekt zu fokussieren und nicht auf das gesamte Leben.

Und wenn ich mich doch bei einem unguten, vergleichenden Konkurrenz-Blick auf jemand anderen erwische? Dann möchte ich gnädiger mit mir selbst werden, es mir selbst verzeihen und versuchen ein zweites Mal anders hinzuschauen. Mit dieser Haltung kann ich dann auch gnädiger zu anderen sein. Ich freue mich über Eure Tipps und Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

10.7.2020

Lass es raus!

Wut und Zorn haben in unserer Gesellschaft kein gutes Image. Nur wenige Menschen stehen offen zu ihrer Wut und reden darüber. Wer seine Wut raus lässt, gilt als nicht souverän. Meistens versuchen wir, sie zu kontrollieren und uns im Griff zu halten.

Wut ist Energie
Aber unterdrückte Gefühle sind ja nicht einfach weg. Gefühle zu unterdrücken, kostet den Körper viel Energie. Es ist, als würdest Du einen mit Luft gefüllten Ballon unter Wasser drücken. Das ist zwar möglich, erfordert aber stetige Aufmerksamkeit und Anstrengung. Einerseits kann das auf lange Sicht krank machen. Andererseits tun wir auch dem Miteinander nichts Gutes. Wenn ich meinen Zorn für mich behalte, gehe ich auf Distanz und baue eine Mauer zwischen mir und anderen auf. Wenn ich meine Wut unterdrücke, lebe ich nicht nur die negativen Gefühle nicht voll aus, sondern lebe mein Leben nicht mit voller Intensität.

Wut ist eine psychische Schutzreaktion, die von inneren und äußeren Faktoren ausgelöst wird, wie z.B. Ungerechtigkeit, Überforderung, Enttäuschung oder unangemessener Kritik. In solchen Situationen lindern Wut und Zorn unsere Angst und setzen Energien frei. Diese Gefühle haben also durchaus eine positive Dimension.

Natürlich kommt es darauf an, wie wir unsere Wut rauslassen. Um nicht im Affekt etwas zu zerschlagen, kann es hilfreich sein, erstmal Abstand zu gewinnen, indem ich eine Runde spazieren gehe oder eine Nacht darüber schlafe. Manchmal reichen auch ein paar tiefe Atemzüge, um die ersten heftigen Impulse zu reflektieren.

Der/die andere kann nur triggern, was Du schon in Dir ist
Besonders starke Gefühle deuten immer darauf hin, dass ich etwas/eine Situation/ein Verhalten schon kenne. Das, was mich richtig wütend macht, passiert mir nicht zum ersten Mal. Nur deshalb kann mein Gegenüber diese heftigen Gefühle in mir auslösen. Er oder sie ist also vielleicht der Auslöser, aber nicht die Ursache für meine Wut. Diese liegt in meinen bisherigen Erfahrungen. Ich bin in diesem Sinne also selbst verantwortlich für meine Gefühle und nicht der oder die andere.

Trotzdem darf ich meinen Zorn zeigen
Aber es ist hilfreich mir selbst bewusst zu machen, was die tieferen Auslöser meiner Wut sind und wenn die heftigen Gefühle abgeklungen sind, in Ruhe ein Gespräch über diese Hintergründe zu führen.

Wie lässt Du Deine Wut in einer guten, kontrollierten Weise raus? Wie macht es sich in Dir bemerkbar, wenn du deine Wut runterschluckst?  Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

4.7.2020

Präsenz

Gerade bei Themen, auf die ich keinen Einfluss habe, wie z.B. die Corona-Pandemie, denke ich manchmal: Augen zu und durch. Dabei weiß ich ganz genau, dass das eigentlich ein blöder Spruch ist. Auch wenn ich nicht die Kontrolle über eine Situation habe, kann ich durchaus Einfluss darauf nehmen, wie es mir darin geht. Dazu braucht es, statt der geschlossenen Augen, aber: Präsenz.

Selbstbestimmt handeln
Präsenz ist eine Grundbedingung für selbstbestimmtes Handeln und in jedem Fall Voraussetzung für jede Art von Veränderung. Um den inneren Impuls zu einem neuen Handeln zu haben, muss ich ja erstmal wahrnehmen, was ich mir wünsche und was mir gerade nicht gut tut. Wenn ich nicht präsent bin, dann verkrieche ich mich irgendwie in mich selbst, versuche mich abzuschotten, nicht so viel von der äußeren Welt wahrzunehmen. Rotwein und Fernseher sind die Inkredienzien, die bei mir oft daran beteiligt sind. In einem solchen Zustand weiß ich meistens nicht so genau, was ich wirklich brauche. Das führt, wie ich hier schon mal beschrieben habe, dann z.B. dazu, dass ich noch fernsehe, obwohl ich eigentlich schon müde bin. Oder dazu, dass ich meinen Bürotag so pausenlos mit Arbeit zustopfe, dass ich abends gar keine Aufmerksamkeit für meinen Partner mehr übrig habe.

Augen-zu-und-durch ist ein Zustand, der Stillstand garantiert.
Also hinschauen, was gerade passiert, wie sich das auf mich und mein Umfeld auswirkt und welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben. Diese – oft ungeahnten - Möglichkeiten sehe ich natürlich nicht, wenn ich die Augen verschließe. Ich hoffe, Ihr schlagt mich jetzt nicht, wenn ich schreibe: In Bezug auf Corona war mir meine persönliche Auszeit z.B. nicht lang genug. Ich hätte noch eine Weile gebraucht, um wirklich in den Genuss zu kommen, noch etwas mehr Dinge zu überdenken. Oder bilde ich mir nur ein, dass ich mir mit mehr Zeit die Zeit dafür genommen hätte?

Wie schaffst Du es, präsent oder präsenter zu sein? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

26.6.2020

Digital is made to forget?

"Digital is made to forget, analogue is made to remember", dieses Zitat von Robert Polidori, einem kanadischen Fotographen (zitiert nach dem Kunst-Buch-Verleger Gerhard Steidl), steht auf meiner Coaching-Website. Das war schon immer eine provozierende Aussage. Doch nachdem wir durch Corona alle einen Digitalisierungsschub durchlaufen haben, einmal mehr. Viele Unternehmen halten derzeit an dem rein virtuellen Austausch fest, obwohl die Corona-Beschränkungen schon stark gelockert sind. Was so viele Wochen funktioniert hat, scheint ein guter Weg zu sein. Es werden ja auch Kosten gespart, wenn nicht mehr für jede Arbeitnehmer*in ein Arbeitsplatz vorhanden sein muss.

Doch Motivation, Vertrauen, Verbundenheit, das sind Gefühle und diese wollen – auch im Arbeitskontext - gepflegt werden. Im virtuellen Raum haben jedoch viele Menschen den Impuls, gleich zur Sache zu kommen und nehmen sich weniger Zeit für das persönliche Gespräch. Das andere ist: Neurologisch erinnern wir vor allem Bilder und nicht Text. Wenn aber keine gemeinsamen Bilder mehr entstehen, sondern nur noch der Computer vor unserem Auge ist, kann das Gehirn uns auch weniger durch positive Erinnerungen und Erfahrungen stimulieren. 

Der Mensch ist nicht nur ein rationales Wesen
Wie entwickelt sich z.B. Vertrauen im virtuellen Gespräch? Vertrauen entsteht ja von Mensch zu Mensch – mit allen Sinnen! Die Schwingungen unserer Stimme sind dafür ganz wichtig. Doch in den Webkonferenzen gehen viele Details der Stimme verloren. Ein anderer Punkt ist die Mikromimik im Gesicht. Hunderte von Muskeln sind daran beteiligt und verändern sich, je nachdem, welche Gefühle und Stimmungen in uns präsent sind. Unser Gegenüber nimmt diese Mikromimik meist unbewusst wahr. Dennoch ist sie entscheidend dafür, dass wir eine Aussage, die jemand macht, als ehrlich und authentisch empfinden. Auch der Körpergeruch ist an der Vertrauensbildung beteiligt. Jemanden gut riechen können, ist ein feststehender Ausdruck, der eine neurologische Grundlage hat. Der Mensch ist einfach nicht dieses nur rationale Wesen, das wir uns manchmal einbilden…. 

Klar ist trotzdem:
Die virtuelle Kommunikation wird auch nach Corona auf einem viel höheren Level bestehen bleiben, als zuvor. Wie wird das unser Miteinander verändern? Erzähl uns in den Kommentaren, was Du darüber denkst! Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

19.6.2020

Zurück ins Hamsterrad? 

Allmählich kommen wir aus unseren Homeoffices wieder ans Licht und der alltägliche Leistungs- und Produktions-Druck nimmt wieder Fahrt auf. Kannst Du Dir Deine Gelassenheit erhalten oder packt Dich der Ehrgeiz genauso wie zuvor?

Natürlich hat unser Erfolg auch mit einer guten Portion Ehrgeiz zu tun. Doch wo ist die Grenze? Wo wird es ungesund? Eine Mess-Größe kann sein, ob ich mich noch frei entscheiden kann, wie weit mein Ehrgeiz mich treibt. Ob ich z.B. frei wählen kann, wie perfekt meine Leistung sein muss oder ob es einen inneren Zwang gibt, alles drei Mal Korrektur zu lesen. Ob ich mir gestatten kann, nach Hilfe zu fragen, oder ob ich alles alleine schaffen muss. Ob ich auch mal nein sagen kann, oder ob ich meiner Chefin jeden Wunsch erfüllen muss.

Wie groß ist dein Anspruch, Spuren mit deinem Lebenswerk zu hinterlassen? Und was bist du bereit dafür zu tun?

Oder doch lieber gelassen?
Der Haken ist leider: Wer sich selbst überfordert, geht genauso überfordernd mit seinen Mitmenschen um. Denn, wenn ich an mich selbst z.B. den Sei-Perfekt-Anspruch habe, kann ich auch bei anderen nicht oder nur schwer darüber hinwegsehen, wenn sie nicht perfekt sind. Oder wenn ich immer sehr schnell unterwegs sein ‚muss‘, dann schaue ich möglicherweise auf andere herab, die etwas langsamer durchs Leben gehen. Das ist z.B. eine Tendenz, die ich von mir selbst aus meinem Privatleben kenne. Und obwohl ich längst weiß, dass Langsamkeit viele Vorzüge hat - wie den, einfach viel mehr bewusst wahrnehmen zu können – poppt diese Bewertung fast automatisch in mir auf. Da ist dann eine Kunst, mich dabei zu ertappen und doch wohlwollend festzustellen: Immerhin fällt es Dir gleich auf….

Welche Schattenseiten Deines Ehrgeizes kennst Du? Und wie gehst Du damit um? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

13.6.2020

Jenseits des Mainstream

Zugegeben, die Hürde sich einzumischen wird immer höher gelegt. Mittlerweile steht man, wenn man jenseits des Mainstream argumentiert, schneller im Verdacht, eine Verschwörungstheoretikerin zu sein, als man den ersten Satz zu Ende formuliert hat.

Da ist es gar nicht so leicht, unbeirrt und selbstbewusst Zweifel zu äußern. Auch keine besseren Lösungen anbieten zu können, sollte uns eigentlich nicht abschrecken, uns einzumischen. Schließlich entstehen viele kreative Ideen doch erst im Austausch miteinander. Je mehr wir uns zurückhalten, desto mehr gerät die Kultur der freien Meinungsäußerung und des Aneinander-Reibens unterschiedlicher Meinungen ins Abseits.

Mir fällt auf, dass es seltener als früher kontroverse Diskussionen unter Freund*innen gibt. Irgendwie wird das als anstrengend empfunden. Eher erlebe ich Gespräche unter Gleichgesinnten. Mir kommt es vor, als sind wir vorsichtiger geworden, unsere Meinung zu äußern, wenn wir nicht sicher sind, was die anderen dazu denken.

Unvereinbarkeit zulassen
Wie viel Unvereinbarkeit können wir zulassen? Kannst Du mit jemandem befreundet sein, der/die z.B. über Liebe, Rassismus oder Demokratie ganz anders denkt als Du? Kannst Du Widersprüchliches einfach stehen lassen und damit leben? Wer in einer größeren Familie lebt und diese Gemeinschaft aktiv mitgestaltet, kann meistens gar nicht umhin, z.B. auf Geburtstagen, auch mit den Familien-Mitgliedern an einem Tisch zu sitzen, die ihr Leben nach ganz anderen Werten ausrichten. Doch ansonsten? Ich glaube, diese Reibung würde uns auch in unseren Freundeskreisen guttun. Aber ich muss zugeben: Auch ich suche die Konfrontation nicht mehr so beherzt, wie vor 30 Jahren.

Streitkultur und Selbstliebe
Und auch die Streitkultur hat eine Verbindung zu Selbstliebe. Es braucht ein gesundes Maß an Selbstsicherheit und Gelassenheit, um dem anderen den Raum geben zu können, sich auszubreiten. Um zuzuhören, ohne mich ‚bedroht‘ zu fühlen, auch wenn ich schon ahne, dass das in eine Richtung läuft, die ich nicht teile. Um offene Fragen zu stellen und jemanden verstehen zu wollen, der ganz anders tickt.

Was können wir/was kannst Du tun, um in Deinem Umfeld möglichst viele Stimmen zum Tragen kommen zu lassen? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

7.6.2020

Selbstverantwortung

Können wir selbstverantwortlich entscheiden, mit wie vielen Menschen wir, z.B. draußen in einem Biergarten, zusammenkommen oder muss alles staatlich reglementiert werden? Angesichts von Covid-19 hat der Staat die Kontrolle in einem Ausmaß übernommen, das vermuten läßt, dass wir zur Selbstverantwortung in Bezug auf unsere Gesundheit nicht fähig sind. Bei vielen Themen ist das völlig anders. Alkohol, Zigaretten, zu viel Zucker … das können wir alles konsumieren, bis wir in der Intensiv-Medizin landen, ohne dass an unserer Selbstverantwortung gezweifelt wird. Die Ansteckungsgefahr setzt unsere Selbstverantwortung außer Kraft. Dabei möchte ich nicht wissen, wie viele Kinder eher zu Alkohol und Zigaretten greifen, wenn es zu Hause als völlig normal gegolten hat.


Auch im größeren Kontext kann ich mir die Frage stellen: Fühle ich mich selbst verantwortlich? Nicht nur für meine Gesundheit, sondern auch für mein Lebensglück, meine Zufriedenheit, meinen Lebensweg? Vielleicht sogar für die Entwicklung unserer Gesellschaft?

Manchmal ist es ja leichter, sich als Opfer, also ohnmächtig, zu fühlen und anderen die Verantwortung zuzuschieben. In einer solchen Stimmung trage ich eher wenig zur Veränderung bei. Ein Zeichen gesunder Selbstliebe ist es, das, was mir nicht gefällt oder das, was ich mir wünsche, selbst in die Hand zu nehmen – weil ich es mir wert bin! Und weil ich daran glaube, dass es auf mich ankommt! Mich selbst zu lieben heißt, davon überzeugt zu sein, dass mein Verhalten eine Wirkung hat.

Spannende Erfahrungen
Ich sitze im Moment z.B. drei Tage pro Woche im Supermarkt an der Kasse, weil mein Business unter diesen Corona-Bedingungen kaum läuft. Meiner Meinung nach sollte der Staat doch nur das ausgleichen, was ich mit meiner eigenen Hände Arbeit nicht leisten kann. Das sind spannende Erfahrungen. Wie schauen die Kunden mich an der Kasse an? Wie habe ich vorher die Kassiererin, die mich bediente angeschaut? Wie bewusst habe ich die Preise der Lebensmittel vorher wahrgenommen, im Unterschied zu jetzt? Wie fühlt es sich an, stundenlang in einem Rhythmus zu arbeiten, die ich mir selbst nicht aussuchen kann? Und auf der anderen Seite: Welche Wirkung hat es auf meine Weiterbildungs-Kunden, wenn sie von meinem Nebenjob erfahren?

Und natürlich frage ich mich jeder zweiten Tag: Was erreiche ich damit? War das die richtige Strategie? Vergeude ich gerade meine Lebenszeit? Aber auch: Was ist die Alternative? Ein anderer Nebenjob? Zu Hause bleiben, vom Ersparten leben, die Wohnung wieder neu ordnen und abwarten, was passiert?

Wie findest Du Deine Balance zwischen Selbstverantwortung und Abwarten, was sich entwickelt? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

30.5.2020

Eine neue Haltung zur Gesundheit?

Noch vor ein paar Wochen, war es ziemlich normal, dass der eine oder die andere am Arbeitsplatz nicht zu hundert Prozent fit ist. Einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds zufolge gingen im vergangenen Jahr zwei Drittel aller Befragten zur Arbeit, obwohl sie krank waren. Im Zuge der Coronakrise jedoch ändert sich das. Wenn ich auf jetzt auf der Straße bin und huste, spüre ich die Blicke der anderen, erst recht, wenn am Arbeitsplatz meine Nase läuft.

Das Phänomen, dass Menschen trotz Krankheit arbeiten, nennen Psychologen "Präsentismus". Damit gefährden wir nicht nur das Team, sondern auch uns selbst, denn chronische Erkrankungen können so entstehen. Besonders Menschen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, neigten zu Präsentismus, aber auch Zeitdruck, Arbeitsrückstände und das Gefühl, die Kollegen nicht im Stich lassen zu wollen, könnten Gründe sein, so Hannes Zacher, Professor für Arbeitspsychologie, der das Thema an der Uni Leipzig erforscht.


Könnt ihr euch noch an die Zeit vor Corona erinnern? Wie seid ihr da mit eurer Gesundheit umgegangen? Seid ihr zu Hause geblieben bei leichten Anzeichen einer Erkältung oder habt ihr gearbeitet, bis es wirklich nicht mehr ging? Derzeit ist es ja keine Frage, dass wir bei verdächtigen Anzeichen zu Hause bleiben. Ich finde: Diese neue Haltung sollten wir in die Nach-Corona-Zeit retten!

Warnungen des Körpers
Indem wir die Warnungen unseres Körpers überhören, vielleicht ein Medikament einnehmen, damit dieser Körper sich nicht so heftig zu Wort meldet, zeigen wir unerschütterlichen Einsatz – für die Leistung – aber nicht für uns, unser Leben und die Gesundheit der anderen. Aufmerksam für mich selbst zu sein und aufmerksam für die Bedürfnisse anderer zu sein – das hängt zusammen. Wenn ich meine eigenen Bedürfnisse wegdrücke, wie z.B. das Bedürfnis nach Ruhe, damit ich mich von einem Infekt erholen kann, nehme ich tendenziell auch die Bedürfnisse anderer nicht wirklich ernst. Auch in diesem Sinne stimmt der Spruch Liebe deinen Nächsten – wie Dich selbst.

Was muss passieren, damit uns unsere Gesundheit wichtiger wird, als Arbeitsleistung? Was macht es dir leichter, was schwerer, auf dein Wohlbefinden zu achten? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

23.5.2020

Bewegung!

Macht Euch das Home Office, zu dem viele von uns immer noch gezwungen sind, beweglicher oder unbeweglicher? Was fehlt sind die Wege, die man sonst nehmen muss: also der Weg in die Arbeit, der Weg ins Büro der Kolleg*in oder in die Kaffeeküche, der vielleicht doch weiter ist, als die drei Meter bis zur Küche in der eigenen Wohnung. Andererseits gibt es mehr Freiraum für kleine Pausen zwischendurch, die wir auch für ein bisschen Bewegung nutzen könnten.

Entspannend einfach...
Oft sitze ich an Bürotagen aber leider wie festgenagelt am Schreibtisch (wie ich im letzten Blog schon beschrieben habe). Was für ein Quatsch! Nach jeder Pause, die ich draußen verbringe, fließen die Ideen in einem Ausmaß, das vor der Pause unvorstellbar erschien. Im Hamsterrad der ständigen Selbstoptimierung gehe ich – wenn schon Pause – dann immer joggen. Ein Spaziergang, das erscheint (erschien?) mir so entspannend einfach, das habe ich mir an einem ganz normalen Arbeitstag eigentlich nicht geleistet.

Wir Erwachsene bewegen uns ein Drittel weniger als vor 100 Jahren (Quelle: planet-wissen.de), obwohl der menschliche Körper für ein Leben mit Bewegung programmiert ist. Im Durchschnitt machen wir ca. 5000 Schritte am Tag. Bei Kleinkindern sind es 2500 Schritte – in der Stunde!! Sie leben also noch viel näher an unserer wahren Natur. Als Jugendliche fand ich den Spaziergang mit den Eltern natürlich völlig uncool. Auch mein Sohn hatte daran keinen Spaß. Aber irgendwann kommt die Lust an der Bewegung doch zurück. Und dann?

Welche Konditionierungen führen im Laufe unseres Lebens dazu, dass wir uns das Gehen versagen? Kann es sein, dass Leistungsdenken, Effektivität, Produktivität und die Suche nach Anerkennung für die Anstrengungen und die Entsagungen, zu denen wir fähig sind, solche Auswirkungen haben?

... zur Freiheit der Gedanken
In der Natur zu gehen, wie es Mediziner in der Corona-Quarantäne auch empfohlen haben, stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern macht uns kreativer, offener und beweglicher im Kopf. Es wird nicht nur die Blutzirkulation im Gehirn durch das Gehen verstärkt, sondern auch die Gehirnaktivität. “Nie haben die Gedanken so viel Freiheit wie im Gehen”, sagt der Dubliner Neurowissenschaftler Shane O’Mara, der gerade das Buch “Das Glück des Gehens” veröffentlicht hat. Und da ist er nicht der erste, der auf diese Idee kommt. Zum Beispiel erklärte schon Jean-Jacques Rousseau von sich, er könne nur im Gehen denken. Aber irgendwie hat diese Erkenntnis bisher wenig Niederschlag in meinem Handeln gefunden. Ich glaube, es ist das Gefühl, dann untätig zu sein, das bisher verhindert hat, dass ich gehend Pause mache. Der Vorrat an Dingen, die ich noch tun ‚sollte‘, ist einfach unerschöpflich….

Welche Chancen stecken für uns alle darin, wenn wir uns wieder mehr bewegen? Nicht auszudenken, wie unsere Gesellschaft sich mit so viel Gedankenfreiheit verändern könnte😉. Kennst du die Freiheit, die Gehen in deinem Kopf auslösen kann? Oder umgekehrt: die Lähmung, die zu viel Sitzen verursacht? Wie schaffst Du es, Dich mehr draußen zu bewegen? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

16.5.2020

Pausenlos?

Weniger zu schlafen (siehe Blog von letzter Woche) und Kaffee zu trinken, das gehört für sehr viele Menschen zusammen. Ich habe etliche Freund*innen, für die es unvorstellbar ist, den Tag ohne einen Kaffee zu beginnen. Der Amerikaner Michael Pollan hat eine ganzes Buch darüber geschrieben, wie Koffein auf uns wirkt: Koffein halte uns wachsam und konzentriert. Es sei eine bewusstseinsverändernde Droge, die die Produktivität der abhängig Beschäftigen im Kapitalismus am Laufen halte. Bis zur industriellen Revolution sei bei der Arbeit nur Alkohol konsumiert worden, erst danach Kaffee oder Tee, der übrigens halb so viel Koffein enthalte wie Kaffee. So habe Koffein zum Übergang von körperlicher zu geistiger Arbeit beigetragen und deren Effizienz gesteigert.

Wem hilft's?
Die andere Frage ist, wie sich dieses Künstlich-fit-halten auf uns selbst und unser Miteinander-Umgehen auswirkt. Meine These dazu: Der Mensch braucht Ruhephasen, heute, wie vor 100 Jahren. In diesen Ruhephasen – dazu zählt nicht nur der Schlaf – verarbeiten wir, was sich in unserem Leben ereignet. Es kann zum Beispiel helfen, die Dinge gelassener zu sehen und bessere Entscheidungen zu treffen. Das macht nicht nur unser Leben leichter, sondern auch das der Menschen, die uns umgeben.

Verrückte Verdichtung
Derzeit wird alles immer schneller, die Ruhephasen tagsüber gibt es fast nicht mehr. Unser Arbeitspensum hat sich extrem verdichtet. Es gibt viele Menschen, die meinen, sie müssten auf jede Email innerhalb weniger Stunden reagieren. Das sehe ich nicht so. Hilfreich ist für mich, dass ich meine Mails auf dem Handy gar nicht lese. Trotzdem schaffe ich es nur mit übergroßer Selbstkontrolle, an Bürotagen nicht pausenlos durchzuarbeiten. Es sind in meiner subjektiven Wahrnehmung kleine ‚Feiertage‘, wenn ich mir zwischendurch nicht nur ein warmes Essen, sondern auch einen kleinen Spaziergang gönne. Total ver-rückt. Mich hält dann grüner und/oder schwarzer Tee am Ball. Obwohl mir verstandesmäßig klar ist, dass das nicht die effektivste Art ist, zu guten Ergebnissen zu kommen ist.

Wie siehst Du die Rolle, die Kaffee/grüner/schwarzer Tee in Deinem Leben spielen? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe. Eure Susanne

9.5.2020

Schlafen macht reich!

Wahrscheinlich kennt Ihr das auch: Ich mache viele Dinge, die mir einfach nicht gut tun. Eins davon ist: zu wenig zu schlafen. Eigentlich könnte jetzt eine Zeit sein, in der ich mehr Schlaf bekomme, denn die Trainings sind alle abgesagt worden. Doch ich finde einfach nicht ins Bett. Irgendetwas in mir zwingt mich, noch einen Schluck Wein einzuschenken oder noch einen Film anzuschauen, noch einen Artikel in der Tageszeitung zu lesen, der mich eigentlich gar nicht so richtig interessiert. Leider zwingt es mich selten: spät abends noch etwas wirklich Erlebnisreiches zu tun.

Der Mensch schläft heute im Durchschnitt ein bis eineinhalb Stunden weniger als vor 100 Jahren. Natürlich hat das auch mit der Erfindung der Glühlampe vor rund 140 Jahren zu tun, aber sicher nicht nur. Warum können wir uns - oder viele von uns sich - dem Sog, wach zu bleiben, obwohl wir müde sind, einfach nicht entziehen? Klar ist, dass zu wenig Schlaf nicht nur unser Leistungsvermögen und unsere Urteilskraft, sondern auch unsere Empathie verringert. Viele Menschen sind stolz darauf, dass sie mit weniger Schlaf auskommen. Es scheint eine wesentliche Qualifikation unserer Leistungsgesellschaft zu sein, mit weniger Schlaf zu leben. Wie können wir diesen Spieß umdrehen?

Es geht um Lebensqualität 
Wenn ich genug schlafe, tue ich etwas für die Qualität meines Lebens! Wacher zu sein, läßt mich intensivere Erfahrungen machen, bewusster leben, mehr wahrnehmen. Das dient nicht nur der Entfaltung meines persönlichen Potentials. Wenn ich mir den Schlaf gönne, den ich brauche, tue ich viel für ein gutes Miteinander.

Mehr Zeit für mich?
Also was hindert mich daran? Welches Bedürfnis ist stärker als dieses Wissen? Vermutlich kommt bei mir tagsüber das Wohlbefinden und die Bedürfnisse jenseits der Arbeit zu kurz, sodass ich abends noch 'Zeit für mich' haben möchte. Doch so richtig Zeit für mich ist das ja nicht. Dafür bin ich dann zu müde.... Was sind Eure Gedanken? Und wie trickset Ihr sie aus? Ich freue mich über Eure Kommentare in unserer Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/generationliebe Eure Susanne

3.5.2020

Unsere Urteile

Es liegt in unserer Natur ständig alles, was uns umgibt zu bewerten. In gut für mich, schlecht für mich, hilfreich, hinderlich, angenehm, unangenehm, fremd, vertraut…. Schnelle Bewertungen waren einst unsere Überlebensgarantie. Heute ist das meist gar nicht erforderlich, aber der Automatismus unserer Urteile dauert an. Wir können nicht einfach nur wahrnehmen, was ist. Alles wird eingeordnet.

Unsere Urteile über andere können wie eine Mauer sein, die wir zwischen uns und anderen hochziehen. Dafür müssen wir sie noch nicht mal aussprechen. Unser Gegenüber nimmt unsere innere Haltung auch ohne Worte wahr.

... sind Bewertungen über uns selbst
Hilfreich kann es sein, wenn wir unsere Urteile als solche reflektieren. Unsere Bewertungen über andere sagen oft mehr über uns selbst aus, als über den/die andere. Ursache kann eine Interpretation in unserem Hinterkopf sein, warum jemand etwas tut und diese löst (negative) Gefühle in uns aus.

Ein Beispiel: Ich wohne in einer Wohngemeinschaft. Für meinen Mitbewohner sind andere Dinge wichtig, als für mich. Obwohl ich das weiß, komme ich oft in die Wohnung und mich ärgere, dass ich schon wieder erstmal Klarschiff machen muss. Ich ärgere mich darüber, dass er doch auch sehen könnte, wie viele Brotkrümel auf dem Boden liegen, obwohl ich weiß, dass er auf diese Krümel einfach weniger fokussiert ist, als ich. Meine Bewertung: Er ist unordentlich. Um auf ich bin pingelig zu kommen, brauche ich meist ziemlich lange. Wenigsten habe ich mich davon befreit denken zu müssen: er ist faul und lässt mich den Dreck wegmachen. Solche Interpretationen bergen jede Menge Streitpotential…..   Eure Susanne

25.4.2020

Ein Leben im Fluß

Wenn wir diese ruhigere Zeit als eine Möglichkeit sehen, alte Gewohnheiten oder Glaubenssätze zu hinterfragen, dann stellt sich ja die Frage: In Bezug auf was ist das wirklich sinnvoll und wo ist es gar nicht angeraten?
Ich schaue deshalb jetzt gerade etwas genauer auf die Synchronizitäten in meinem Leben. Synchronizität bezeichnet die zeitliche Korrelation von zwei oder mehr Ereignissen, die unabhängig voneinander eintreten (vgl. C.G. Jung). Diese Ereignisse können als Hinweis in eine Richtung gedeutet werden. Wenn wir also davon ausgehen, dass die Ereignisse in unserem Leben uns - nicht immer, aber manchmal - durchaus etwas sagen können, dann heißt das: Nutze die neu gewonnene Zeit, um genauer hinzuschauen.

Lebenspläne und trotzdem....
Ein Beispiel: Aufgrund von Corona kann ich meinen Lebensunterhalt derzeit kaum als Coach und Trainerin verdienen. Wenn nun ein oder zwei weitere Ereignisse eintreten würden, die mich in eine andere Richtung lenken, z.B. das Angebot eine Festanstellung anzunehmen (um das ich mich nicht beworben habe), könnte mich das zum Nachdenken darüber bringen, was ich in meinem Erwerbsleben künftig verändern möchte – auch, wenn die freiberuflichen Aufträge in ein paar Wochen wieder kommen sollten und mich nichts und niemand dazu zwingt. Synchronizität wäre nicht gegeben, wenn ich mich selbst um die Festanstellung bemüht hätte, dann hätte ich ja schon richtungsgebend eingegriffen. Gemeint sind mit Synchronizität immer Ereignisse, auf die ich keinen Einfluss genommen habe.

...achtsam für Synchronizitäten
Achtsam für Synchronizitäten zu sein, heißt nicht, dass wir unsere Lebenspläne aufgeben. Wir können gleichzeitig ein Ziel haben und dennoch Synchronizität in unsere Überlegungen einfließen lassen. Das nicht zu tun, wäre für mich, als würde ich ständig versuchen gegen den Strom des Lebens, also auf Biegen und Brechen, etwas durchsetzen zu wollen. Dann ist das Leben ein Kampf, statt im Fluss. Doch die Grundlage für diese Haltung ist das Vertrauen, dass das Leben mich in die richtige Richtung führt. Und diese Vertrauen wünsche ich Euch – gerade jetzt! Eure Susanne

18.4.2020

Zeit zum Loslassen

Diese Zeit der Ruhe von Ablenkungen können wir auch als eine Zeit der Experimentierens  nehmen. Sie bietet die Möglichkeit wahrzunehmen, was im Leben Du leicht und was schwer loslassen kannst. Durch Corona kommen wir dabei nicht in Erklärungsnöte, die wir unter normalen Umständen vielleicht hätten, wenn wir z.B. einer Kolleg*in, einer Freund*in oder jemandem aus der Familie mit ungewohnter Zurückhaltung begegnen. Vielleicht entdeckst Du jetzt Gewohnheiten oder Dinge, die Du später auch ohne diesen Zwang loslassen möchtest – einfach, weil es dir gut tut?


Es könnte sein, dass Dir im Homeoffice auffällt, welcher Aspekt Deiner Arbeit Dir gar keinen Spaß macht. Oder du merkst, welche Freund*in, die du gerade nicht sehen darfst, dir eigentlich ohnehin nicht unterstützend zur Seite steht?
Erst durch das Loszulassen machen wir Platz für Neues. Viele Menschen denken sich, ich möchte erst wissen, was die Alternative ist, bevor ich etwas loslassen kann. Verständlich, denn so minimiert sich das – wie auch immer geartete - Risiko.

‚Wer weiß, ob etwas Besseres kommt?‘
Doch es ist wichtig, etwas zu lassen, ohne gleich einen ‚Ersatz‘ zu haben. Nur dadurch entsteht eine Leere, eben der Raum für die Entdeckung von etwas Neuem. Wenn ich vor dem Loslassen schon etwas Neues im Sinn habe, gibt es diesen Raum nicht und das ‚Neue‘ ist unter Umständen keine Weiterentwicklung, sondern eine gut getarnte Wiederholung.

Ein Leben 'ohne'?
Das müssen übrigens keine ganz großen Sachen sein. Auch das Loslassen im Kleinen kann große Wirkung auf einen Selbst und das Miteinander haben. Wenn etwas, das lange  selbstverständlich war, nun in dieser Zeit auf einmal nicht mehr geht, kann dies, wenn wir das wirklich an uns heranlassen und ganz bewusst wahrnehmen, eine Veränderung einleiten. Also: Jetzt haben wir die Zeit auszuprobieren, wie sich das Leben ‘ohne’ (…was auch immer) anfühlt. Wie nutzt Du sie? Eure Susanne

11.4.2020

Viele unserer Beschäftigungen entspringen Automatismen

Gerade, wenn die Tage sonst sehr fremdbestimmt sind oder man gewohnt ist, auch privat viel unterwegs zu sein, kann es jetzt schwer sein, herauszufinden: Was fange ich mit mir selbst an? Manche Menschen stellen dann fest, dass sie vielleicht wissen, was sie nicht wollen, aber nur ganz schwer sagen können, was ihre Bedürfnisse sind. Die Feststellung “Ich weiß nicht, was ich will” fühlt sich nicht gut an. Auch für den jeweils anderen/die andere ist der Umgang mit dieser Ratlosigkeit nicht leicht.

Den eigenen Bedüprfnissen auf den Grund gehen
Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, den eigenen Bedürfnissen auf den Grund zu gehen. Zum Beispiel mit der Frage: In welchen Situationen fühle ich meine eigene Kraft und Energie am deutlichsten? Welche Rahmenbedingungen brauche ich, um wirklich aufzublühen?

Was tut Dir gut?
Oft kann man dann feststellen, dass viele der eigenen Beschäftigungen Automatismen entspringen, die einem gar nicht unbedingt guttun. Ein Bespiel, das sicher jede(r) kennt, ist das Abhängen vorm Fernseher – auch dann, wenn eigentlich gar nichts Interessantes läuft.

Was ziehe ich aus dieser Beschäftigung, das ich mir anders nicht zu gute kommen lassen kann? Oft fehlt ja dann die Energie selbst aktiver zu sein. Wie müsste ich den Tag verbringen, um auch abends noch etwas Schönes mit meiner Zeit anzufangen? Oder woher kommt der Impuls, abends noch nicht ins Bett zu gehen, obwohl ich eigentlich zu müde bin, noch aktiv zu sein?

Durch das Erkennen der eigenen Bedürfnisse kommen wir nicht nur mit uns selbst, sondern auch mit anderen in einen intensiveren Kontakt. Oder ist das zu gefährlich und wir wollen es vermeiden? Zeit dafür haben wir jetzt jedenfalls! Viel Spaß beim Forschen 😉 wünscht Eure Susanne

4.4.2020

Kennst Du Dein WARUM?

Die ungewohnte Ruhe kann Fragen hochkommen lassen, die man sich schon lange nicht mehr gestellt hat. Fragen wie: Passt diese Arbeit überhaupt zu mir? Ist es das, was mich wirklich erfüllt? Oder: Fehlt mir vielleicht gar nichts, wenn ich jetzt eine Zwangspause machen muss oder einemnTeil meiner Arbeit einstellen muss? Mein Ratschlag: Diese Gelegenheit solltet Ihr unbedingt beim Schopf packen!

Der US-Psychologe Simon Sinek geht davon aus, dass Erfolg darauf gründet, dass wir wissen, warum wir etwas tun möchten. Er denkt dabei nicht nur an persönlichen Erfolg. Seiner Meinung nach – und dass er mir damit aus der Seele spricht, ahnt Ihr sicher - ist ein echtes WHY nicht ‚ich möchte viel Geld verdienen‘ oder ‚ich möchte Entscheidungsfreiheiten haben‘. Mit einem echten WARUM leisten wir immer auch einen Beitrag zum Wohl aller. Meinen Lebenssinn klar vor Augen zu haben, hilft mir wie ein Kompass, im Alltag das Wichtige von dem Dringenden zu unterscheiden. Könnte diese durch Corona bestimmte Situation, in der wir mehr Zeit auf uns selbst zurückgeworfen verbringen müssen - aber auch können - , nicht genau die richtige sein, um Dein persönliches WHY zu ergründen? Oder zu überlegen, wie nahe Du ihm aktuell kommst?

Ich kann derzeit keine Workshops geben und nur online coachen. Um Prozesse nicht einfach abzubrechen, ist es natürlich wichtig, sich online zu treffen und ich mache das auch gerne. Doch mir fällt auf: Die direkte Begegnung fehlt mir. Ich brauche alle Sinne für meine Arbeit und finde, dass ein Coaching und auch Workshops mit allen Sinnen ganz andere Wirkung entfalten können. Ich denke dabei an die Wirkung auf mein Coachee, aber natürlich auch an mich selbst. Das Strahlen, das sich nach einem kleinen Aha-Erlebnis auf dem Gesicht des Teilnehmenden zeigt, auch das Erstaunen, wenn sich auf einmal ein ganz neuer Zusammenhang eröffnet, sind mein höchster Gewinn. Und dieses Strahlen oder Erstaunen wirkt viel intensiver und nachhaltiger auf mich, wenn ich dem Menschen direkt gegenüber sitze - und dann auch wieder auf mein Coachee zurück. Das ist dann eine echte Erfahrung, wir erleben etwas Neues. Und es ist vor allem dieses Erleben, das die verändernde Wirkung hat.

Bevor ich die Suche nach dem persönlichen ‚Warum‘ für Klienten angeboten habe, bin ich erstmal für mich selbst auf die Suche gegangen. Mein WHY ist der Grund, warum ich diese Initiative für mehr gesunde Selbstliebe ins Leben gerufen habe: Ich möchte Menschen unterstützen, in Selbstliebe zu leben, sodass sie persönlich erfüllt ihren vollen Beitrag zu einer guten Entwicklung der Welt leisten können. Und seit der Corona-Pause kann ich hinzufügen: am liebsten unterstütze ich Euch mit allen Sinnen und neuen Erfahrungen!

Es wird also auch Zeit, dass wir ein erstes Selbstliebe-Projekt im realen Leben starten, wenn wir uns wieder außerhalb des Netzes begegnen dürfen😉. Eure Susanne

28.3.2020

Gerade jetzt: In die Zukunft vertrauen!

Alles wird unplanbarer in unserem Leben. Keine(r) weiß genau, wann der Coronavirus so weit im Griff sein wird, dass unser Alltag sich wieder normalisiert. Viele Menschen sehen einer ungewissen Zukunft entgegen, haben vielleicht ihre Arbeit verloren oder dürfen sie gerade nicht ausüben. Wie hältst Du diese Ungewissheit aus?

Die Liebe zu mir selbst kann helfen, darauf zu vertrauen, dass das Leben mich nur vor Herausforderung stellt, die ich bewältigen kann. Vielleicht sogar darauf zu vertrauen, dass in jeder Herausforderung etwas liegt, was mich weiterbringt?

Du hast es -in der Hand?- im Kopf!
Gewohnheitsmäßig begegnen wir jeder Veränderung mit Misstrauen. Es gehört zum menschlichen Wesen, dass wir Veränderungen des Gewohnten erstmal nicht so toll finden. Aber an dieser Grundhaltung können wir arbeiten. Zum Beispiel mit täglichen Meditationen, in denen wir das Neue begrüßen und uns darauf einstimmen, ihm offen zu begegnen. Vertrauen ist eine innere Haltung, die Du selbst kreierst.

Rückbesinnung auf das Wesentliche?
Das Positive, dass dieser Virus in meinem Leben bewirkt, ist die Rückbesinnung auf das Wesentliche. Durch die Befreiung von vielen Ablenkungen sind wir auf das Miteinander fokussiert, wie nie. Was brauche ich wirklich und worauf kann ich gut verzichten? Ich habe einen blinden Partner, dessen Massage-Praxis derzeit geschlossen ist. Meine Coachings und Trainings sind auch auf Null. Wir leben eigentlich in getrennten Wohnungen, aber jetzt verbringen wir viel mehr Zeit miteinander, als in den letzten Jahren. Eine Zeit, in der wir neu lernen: Wieviel Zweisamkeit tut uns gut – wieviel Zeit alleine braucht jeder von uns? Das ist eine tolle neue Erfahrung, die unsere Beziehung auch nach Corona verändern wird. Eure Susanne

21.3.2020

In einer solch ernsten Lage kindisch sein?

Die Situation wird immer schwieriger. Wer letzte Woche noch dachte, Corona wird meiner Gesundheit keinen Abbruch tun, ist sich da heute vielleicht nicht mehr so sicher… Dürfen wir in einer solchen Lage kindisch sein und herumblödeln?

Wenn kindisch sein bedeutet, keine Verantwortung übernehmen, dann wäre das jetzt natürlich der völlig falsche Weg. Aber die Zeit zu Hause mit der Familie oder dem Partner mit Humor zu verbringen, das kann es doch viel leichter machen.

Prof. Proyer von der Universität in Halle fand in einer Studie mit rund  3000 Teilnehmer*innen heraus: Verspielte Menschen sind gut im Beobachten, nehmen leicht neue Perspektiven ein, durchdenken Dinge anders und gestalten monotone Aufgaben für sich interessant. Das hat positive Auswirkungen auf das Lösen komplexer Problemstellungen und kann dabei helfen, Stress zu reduzieren. Da sind also viele Aspekte positiv tangiert, die in der aktuellen Situation hilfreich sein können.

Sich nichts verbieten!
Gleichzeitig riskiert, wer kindisch oder albern ist, immer auch den Bogen zu überspannen und vom Gegenüber dafür zurechtgewiesen zu werden. Da ist es manchmal gar nicht so leicht, seine kindische Ader zu bewahren und sich einfach zu denken: Humor ist eben Geschmackssache. Aber das ist kein Grund mich zu schämen oder mir selbst mein Verhalten zu verbieten. Jeder Humor ist gesund! Eure Susanne

13.3.2020

Mich selbst durchschauen?

Sicher kennt jede(r) von uns Menschen oder einzelne Angewohnheiten eines Menschen, die einen auf die Palme bringen können. Vielleicht hast Du Dich schon mal darüber gewundert, wie schnell es gehen kann, dass Deine Gefühle hochkochen? Und natürlich gehen wir dann davon aus, dass es nichts mit uns selbst zu tun hat, dass das so ist. Leider ist das aber ein großer Irrtum. Gerade wenn mich etwas richtig in Rage bringt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es auch etwas mit mir selbst zu tun hat.

"Andere erkennen ist weise, sich selbst erkennen ist Erleuchtung.” Dieses Zitat wird Laotse zugeschrieben. Und beides hängt miteinander zusammen. Wie kannst Du sicher sein, dass das Verhalten, das Dich am anderen irritiert, nicht doch etwas ist, dass dich eigentlich an Dir selbst stört? Es kann durchaus sein, dass die Respektlosigkeit eines Kollegen mir zeigt, dass ich selbst eigentlich auch nicht besonders gut auf meine Bedürfnisse achte. Alles andere als angenehm, so etwas zu entdecken. Vielleicht ist es leichter, wenn Du Dir bewusst machst, dass diese Entdeckung lediglich ein Ausdruck von Dir ist, der sich verändern kann, wenn Du ihn wahrnimmst und zugelassen hast. Selbstliebe bedeutet in diesem Fall, zu versuchen diesen Teil von mir selbst zu verstehen, ohne ihn zu verurteilen.

     

... und nicht verurteilen...
Hier eine kleine Übung, mit der ich mir dieses Annehmen ab und zu leichter mache. Ich sage laut zu mir selbst: Auch wenn ich manchmal nicht …. (z.B. geduldig, entspannt)  bin, liebe und achte ich mich so wie ich bin.“ Dazu wende ich eine Geste aus der prozessorientierten energetischen Psychologie an und reibe mit Zeige- und Mittelfinger im Uhrzeigersinn einen Reflexpunkt auf der linken Seite des Brustkorbs zwischen Schlüsselbein und Brust, also etwas oberhalb Ihres Herzens. Der Theorie nach (vgl. Michael Bohne: Bitte klopfen!) kann das Reiben, während man sich ein belastendes Gefühl präsent macht, dazu führen, dass verschiedene Hirnbereiche aktiviert werden, die normalerweise nicht zusammenwirken. Das Hirn wird somit gestört und kann das belastende Gefühl nicht länger aufrechterhalten.

Und das Gute daran: Wenn ich etwas mehr mit mir selbst ins Reine komme, kann ich auch mit anderen gelassener umgehen! Eure Susanne

6.3.2020

Selbstliebe macht mutig

Mein Gefühl ist: Menschen, die sich selbst lieben, haben mehr Mut, wirklich ihr eigenes Leben zu leben und richten sich weniger stark an den Erwartungen anderer aus. Irgendwie scheint mit der Selbstliebe auch das Vertrauen zu wachsen, dass es reicht, um gut leben zu können, wenn ich mein Potential voll auslebe und das tue, wofür ich gemeint bin.

Wofür bin ich gemeint?
Mich macht es traurig, wenn ich Menschen beobachte, die eine Arbeit machen, mit der sie nicht wirklich innerlich verbunden sind und gleichzeitig Angst haben, dieses Dasein infrage zu stellen, denn dann könnte ja ‚alles zusammenbrechen‘. Die Frage, wofür sie gemeint sein könnten, stellen sie sich gar nicht erst. Doch wie heißt es so wunderbar bei dem KZ-Überlebenden und Psychiater Viktor E. Frankl: „Everyone has his own specific vocation or mission in life to carry out a concrete assignment which demands fulfilment. Therein he cannot be replaced, nor can his life be repeated.“  Also: Wenn Du Dich auf die Suche danach begibst, wofür Du gemeint bist, wirst Du garantiert fündig!

Versuchungen
Und dann geht’s darum, diesem ganz persönlichen roten (Lebens-) Faden treu zu bleiben. Meine Versuchung ist es zum Beispiel, dass mich viel zu viele Dinge interessieren und ich immer gleich für eine neue Idee entbrenne. Da heißt öfter mal nein sagen, den Gedanken bei Seite schieben „Das müsste ich auch noch machen“. Das kann heißen, nicht über jedes Thema informiert zu sein und dazu muss ich dann stehen können. Das fällt mir nicht leicht. Mir Zeit für mich zu nehmen und die Besinnung auf das, was mir wirklich wichtig ist – für mich ist das jeden Tag erneut eine Übung.

 

Ich glaube aber, so entsteht letztendlich mehr wahrhaftiger Kontakt. Es reden – übertrieben gesprochen – nicht fremdgesteuerte und angepasste Wesen miteinander, sondern Menschen, die ganz unterschiedlich ticken und sich daran reiben. Indem wir zu uns stehen und offen in den Raum stellen, was uns ausmacht, entsteht auch mehr Kreativität. Wir können es wagen, verrückte Ideen zu äußern, denn die Selbstliebe ist stark genug, um auch mit Kritik umzugehen. Letztendlich brauchen wir diesem Mut, um Ideen zu entwickeln und umzusetzen, mit denen wir die Welt etwas verträglicher für Mensch, Tier und Natur machen. Eure Susanne

28.2.2020

Einmischen oder Wegschauen?

Von klein auf lernen wir, dass wir uns nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen sollen. Die Privatsphäre ist uns heilig. „Das geht Dich nichts an!“ Sehr oft denken wir uns dann auch als Erwachsene ‘unseren Teil’ und sagen nichts, auch wenn wir ein Verhalten beobachten, das uns fremd oder fies oder ungerecht erscheint. Ist das wirklich richtig so?

Viele Menschen haben kein Problem damit, ihre andere Überzeugung in den Raum zu stellen, wenn es z.B. um den Kaffee-Konsum, Antibiotika oder Mülltrennung geht. Aber das Beziehungsverhalten oder auch die Kindererziehung anderer zu kommentieren, ist selbst unter engen Freunden glattes Eis.

Und wenn da jemand leidet?
Ist das hilfreich, wenn wir unseren Beitrag zu einer guten Entwicklung unserer Gesellschaft und unseres Miteinanders leisten möchten? Was regt mich zur Reflexion meines Verhaltens an, wenn nicht das Feedback von jemandem, der mich erlebt? Aber wo ist die Grenze zum Privatem? Was tue ich, wenn ich den Eindruck habe, dass da jemand leidet? Ist es wirklich richtiger, so zu tun, als wäre nichts gewesen?

Gar nicht so leicht
Oft ist der Hintergrund unseres Schweigens, dass es gar nicht so leicht ist, solche Dinge in einer guten – sprich: nicht bevormundenden oder besserwisserischen - Art und Weise anzusprechen. Der Rat dazu aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist: Beschreibe, was Du beobachtest hast - ohne es zu bewerten, zu interpretieren, zu verallgemeinern. Es geht Dich was an. Nicht immer, aber manchmal bestimmt. Eure Susanne

21.2.2020

Ein Vorbild sein

"You must be the change you wish to see in the world." Dieses Zitat von Mahatma Gandhi ist mein persönlicher Leitspruch. Für mich bedeutet das, mich so zu verhalten, wie es meiner Meinung nach zur Verbesserung unseres Zusammenlebens und -arbeitens beiträgt. Ich glaube, dass es viel wirksamer ist, mit meinem Tun voranzugehen, als Forderungen zu stellen. Und ich glaube, dass wir mit unserem tatsächlichen Verhalten immer eine Wirkung auf andere haben. Wir sind Vorbild – ob wir es wollen, oder nicht.

Ob wir es wollen oder nicht
Und das gilt nicht nur für Eltern. Ob ich meinen Müll auf die Straße werfe, meine Freundin unfreundlich behandele, auf einen Verkäufer herablassend reagiere oder schlecht über Kolleg*innen spreche – nichts davon ist ohne Wirkung auf die Menschen, die mich umgeben.

Perfekt wäre unmenschlich
Andererseits sind wir Menschen und es ist für niemanden möglich, sich immer vorbildlich zu verhalten. Natürlich bin auch ich nicht in jeder Situation jedem Menschen gegenüber achtsam und wertschätzend. Genauso fällt es mir schwer, mich selbst mit all diesen Mängeln zu lieben. Doch das ist meine Messlatte. Und ich weiß, dass die Glaubwürdigkeit meiner Initiative auch davon abhängig ist, dass jede(r) an meinem Verhalten ablesen kann, wie ernst es mir mit dem Einsatz für eine gesunde Selbstliebe ist und wie ich mich – auf meine persönliche, unperfekte Art und Weise – darum bemühe.

Wenn mich also jemand fragt: Dein Projekt ist so unkonkret, was sollen wir denn tatsächlich tun? ist eine Antwort darauf: Die Herausforderung annehmen, ein Vorbild zu sein! Eure Susanne

14.2.2020

Dich selbst feiern!  

Meine steile These: Am Valentinstag sollten wir nicht die romantische Liebe, sondern die Selbstliebe feiern!  Oder zumindest: auch die Liebe zu uns selbst! Wobei für beides gilt: Ein Tag im Jahr reicht nicht. Jeden Tag ein paar Minuten zu reflektieren, wie es mir gerade – mit mir und mit dem anderen – geht, tut gut.

Wer den Valentinstag nutzen möchte, um sich selbst etwas Gutes zu tun, könnte zum Beispiel darüber nachdenken: Auf welche meiner Eigenschaften bin ich stolz? In den ersten Interviews zum Dokumentarfilm ist mir aufgefallen, Stolz, also mich selbst für etwas zu feiern, ist für viele Menschen gar nicht so einfach. Darf ich stolz auf mich sein? Bin ich dann vielleicht eingebildet und lobe mich selbst? Welchen Eindruck mache ich auf andere, wenn ich stolz auf mich bin und das dann auch noch öffentlich äußere?

Skulptur von Hans Kastler

Trotz Schattenseiten
Stolz auf eine meiner Eigenschaften zu sein, heißt ja nicht, dass ich meine Schattenseiten nicht kritisch beäugen kann. Ich z.B. bin stolz auf meinen analytischen Verstand, mit dem ich das Wesentliche einer Situation schnell erfasse. Das kann ich mit Inbrunst von mir sagen, obwohl ich gleichzeitig weiß, dass ich manchmal so von meinen eigenen Gedanken gefesselt bin, dass ich zu wenig wahrnehme, was mein Gegenüber gerade braucht. Selbstliebe heißt für mich: beides bewusst wahr- und anzunehmen –– im Vertrauen darauf, dass sich mit dem Üben von Achtsamkeit im Alltag Schritt für Schritt auch mein Verhalten den rationalen Erkenntnissen anpassen wird.

Falsche Bescheidenheit?
Nicht zuletzt hat es auch eine große Wirkung auf mein Gegenüber, wenn ich nicht auf mich selbst stolz sein kann: Ich werde es befremdlich finden, wenn der/die andere stolz auf sich ist und bringe mein Gegenüber dazu, sich in dieser Hinsicht auch zurückzuhalten. Und glaubt mir, das geht ganz ohne Worte. Das macht uns zu zurückgezogenen, vorsichtigen Menschen. Die Welt verändern werden wir so nicht. Dafür braucht es Mut, Offenheit und Liebe! Eure Susanne

8.2.2020

Die ganze Wahrheit?

Auch wenn die katholische Kirche in vielerlei Hinsicht aus der Zeit gefallen scheint - die meisten Menschen in Deutschland sind in der christlichen Tradition aufgewachsen. Ich selbst bin nur getauft und nicht konformiert, weil meine Eltern der Ansicht waren, wenn, dann solle ich diesen Schritt in die kirchliche Gemeinschaft nur machen, wenn ich voll und ganz dahinter stünde, und nicht wegen der Geschenke, wie viele meiner Freund* innen ihrer Vermutung nach. Ich stand nicht genug dahinter und hab’s gelassen.


Doch später, als Produzentin eines TV-Kinder-Glaubens-Magazins habe ich mich dann beruflich mit dem Christentum auseinandergesetzt und festgestellt: Trotz meiner ziemlich glaubensfernen Eltern bin ich durch und durch evangelisch aufgewachsen. Viele Haltungen, die ich von meinen Eltern übernommen habe, lassen sich leicht auf diesen Kontext zurückführen. Z.B. mein mangelnder Respekt vor Autoritäten; meine Überzeugung: Es gibt keine Hölle, mit der wir für unsere Fehler bestraft werden. Oder: Es braucht keinen Vermittler, um im Kontakt mit einer höheren Macht zu sein. Diesen Kontakt kann jede(r) für sich herstellen.

Warum haben wir vergessen, wie wichtig die Selbstliebe ist?
Warum haben wir unserem Dokumentarfilm und den Social Media Auftritten den Titel ‚…wie Dich selbst?‘ gegeben? Weil es doch ganz erstaunlich ist, dass – obwohl die christliche Tradition einen hohen Einfluss auf uns oder mindestens auf unsere Eltern hatte – manche Leitsätze einfach nicht ernst genommen wurden. Wie eben dieser, dass ich meinen Nächsten lieben sollte, wie mich selbst. Übrig blieb in vielen Familien stattdessen nur die erste Teil: Liebe Deinen Nächsten. Das ist nur die halbe Wahrheit.Auf die

Kirche solle der Titel nicht hinweisen
Für mich ist das bemerkenswert. Es gab offenbar sehr früh in unserer Geschichte, vor über 2000 Jahren, Menschen die wussten, wie wichtig die Selbstliebe ist. Ich muss nicht alles, was in der Bibel steht richtig finden und schon gar nicht alles, was die Kirche daraus postuliert, um an die Bedeutung des gesamten Zitats zu erinnern, der richtig und – in meinen Augen – so wenig gelebt wird. Aber wenn dieser Bezug es vielen von Euch schwer macht, für unser Selbstliebe-Projekt einzutreten und unsere Initiative zu unterstützen: Lasst es uns bitte wissen! Und schlagt Alternativen vor! Eure Susanne

31.1.2020

Freiheit und Fülle

Was zeichnet ein gutes Leben aus? Diese Frage kann jede(r) nur für sich selbst beantworten. Für mich gehören Freiheit und Fülle unbedingt dazu.

Mit Freiheit meine ich das Gefühl, mich frei entscheiden zu können versus dem Gefühl ohnmächtig zu sein. Also mich frei entscheiden zu können, ob eine Arbeit wirklich zu mir passt, ob mein Partner der richtige ist, ob ich einer Freundin diesen Gefallen auch wirklich tun möchte…. Für diese Freiheit ist die Selbstliebe von großer Bedeutung. Sie erst schenkt mir das Vertrauen, dass ich mir diese Entscheidungsfreiheit ‚leisten‘ kann. Ohne dieses Vertrauen müsste ich ja vielleicht befürchten, dass ich keine bessere Arbeit finden werde, die mir den Lebensunterhalt sichert, dass ich auf ewig Single bleiben werde, wenn ich mich jetzt trenne, dass ich meine Freundin verliere, wenn ich ihr jetzt nicht helfe.  

Mich frei entscheiden können
Man könnte ja vermuten, dass so eine Entscheidungsfreiheit für das Gegenüber schwierig zu handeln ist. Auch das liegt im Auge des Betrachters/der Betrachterin. Ich finde: sie ist ehrlich und schafft Klarheit. Und mich macht es manchmal hilflos, wenn meine Gesprächspartner nicht direkt sagen können, was ihnen wichtig ist. Umgekehrt empfinden manche Menschen meine Freiheit als bedrohlich.

Vertrauen in die Fülle 
Ja, und die Fülle? Damit meine ich keine materiellen Reichtümer, sondern das oben beschriebene Vertrauen, dass die Fülle – in der Liebe, im Einkommen, in den Freundschaften, den Anregungen und Impulsen -  immer da ist. Die Kunst ist es, auszuwählen, was mir gut tut. Hört sich das arrogant an? Ich gebe zu, es ist der Blick eines Menschen, der in einer Wohlstands-Gesellschaft lebt. Aber auch ich werde keine üppige Rente haben und im Hinblick darauf ist es gar nicht so leicht, meine innere Haltung, dass die Fülle immer da ist, zu bewahren und zum Beispiel, statt zu sparen, einfach mal eine Anschubfinanzierung für dieses Projekt zu leisten – im Vertrauen darauf, dass die Fülle immer da ist. Eure Susanne

24.1.2020

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wenn wir von unserem Projekt, GenerationL und der Idee das „… wie Dich selbst“ stärker in den Mittelpunkt zu rücken, erzählen, treffen wir manchmal auf Menschen, die befürchten, dass es zu viel Selbstliebe werden könnte. Einige von ihnen treibt die Sorge um, sie könnten mit etwas mehr Selbstliebe als eitel oder egoistisch gelten. Doch echte Selbstliebe kann gar nicht zu viel sein. Wenn ich mich selbst liebe, spüre ich, dass ich – einfach, weil ich ein Mensch bin – bedingungslos liebenswert bin. Und ich kann mir selbst diese Liebe auch dann geben, wenn ich gerade nicht alle Erwartungen erfüllen kann oder wenn ich einen großen Fehler gemacht habe.

Wie könnte ich besser für mich sorgen?
Das, was uns manchmal unangenehm ist, sind Menschen, die besonders viel Beachtung beanspruchen oder Menschen, für die es wichtig ist, in jedem Fall besser zu sein. Wenn ich mich selbst in dieser Hinsicht als bedürftig erlebe, geschieht das vermutlich eher aus einem Defizit-Gefühl heraus, als aus echter Selbstliebe. Dann heißt es: Wie könnte ich besser für mich selbst sorgen? 

  

Jochen Peichl hat das in seinem Buch „Warum es auch gut ist, ein Narzisst zu sein“ in eine Skala gepackt. Auf der einen Seite der Skala sind diejenigen, die postulieren: Liebe nur Deinen Nächsten. Auf der anderen Seite diejenigen, für die die Maxime lautet: Liebe nur Dich. Und in der gesunden Mitte stehen die, die sich darum bemühen nach der Devise zu leben: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.

Genießen können
Ich glaube, letztere leben in einer größeren Freiheit und sind dadurch auch für ihre Nächsten die angenehmsten Mitmenschen. Gesunde Selbstliebe bedeutet, nicht im Mittelpunkt stehen zu müssen, es aber dennoch genießen zu können, wenn es mal so ist. Diese Menschen haben ein gesundes Selbstbewusstsein, dass es ihnen ermöglicht, sich auch kritisch selbst zu reflektieren (denn natürlich ist niemand immer in seiner Mitte). Sie müssen nicht immer etwas Besonderes sein, aber sie wissen, was sie einzigartig macht und können diese Einzigartigkeit auch an anderen wertschätzen. Mit GenerationL möchten wir dazu beitragen, dass mehr Menschen sich in gesunder Weise selbst lieben können und lernen gut für sich zu sorgen. Wir halten das für jeden einzelnen für erstrebenswert und ebenso wichtig für uns alle zusammen. Eure Susanne

19.1.2020

Brüder und Schwestern

Albert Schweitzer ging davon aus, dass sich Menschen beim Nachdenken über sich selbst und ihre Grenzen wechselseitig als Brüder und Schwestern erkennen können, die über ihre Grenzen hinauswachsen. Darin stecken zwei Aspekte des Lebens: 1. Das Nachdenken über mich selbst; 2. Mein Verhalten anderen gegenüber, die ich als Brüder und Schwestern erkenne.


Ohne das Nachdenken über uns selbst gibt es keine Entwicklung. Für eine persönliche Weiterentwicklung reicht es nicht, Erfahrungen zu machen. Wir müssen diese Erfahrungen auch reflektieren. Wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, unsere Erfahrung zu bedenken, zu hinterfragen, warum etwas sich wie ereignet hat und was unser eigener Anteil dazu war, ist es, als hätten wir gar keine Erfahrung gemacht. Erst das Reflektieren ermöglicht uns zum Beispiel die Erkenntnis und Entscheidung, dass wir beim nächsten Mal anders handeln möchten.

Ablenkung oder Nachdenken über mich selbst?
Das Problem ist nur: Nehmen wir uns genug Zeit zum Nachdenken? Leider ermöglicht uns das Leben inzwischen so vielfältige Ablenkungen, dass es gar nicht so leicht ist, zur Besinnung zu kommen. Dabei könnten wir es nicht zuletzt als einen Akt der Selbstliebe begreifen, keine Erfahrung, also keine Lebenszeit, zu vergeuden, sondern alle Erkenntnis aus ihr zu ziehen, die uns ein noch besseres, leichteres, harmonischeres Leben ermöglicht. Das würde auch einem anderen Postulat Schweitzers entsprechen: Der Ehrfurcht vor dem Leben.

Der 2. Aspekt betrifft unser Verhalten anderen gegenüber. Wie verhalte ich mich meinem Nächsten gegenüber, wenn ich mit allen Sinnen erfasse, dass uns die gleichen Bedürfnisse antreiben? Wie kann ich meinen Nächsten kritisch-distanziert betrachten und beurteilen, wenn ich weiß, dass Anerkennung statt Angst ihn/sie leichter die richtige Lösung finden lassen. Wie kann ich meinem Nächsten Eigennutz unterstellen, wenn ich weiß, dass es genug positive Erfahrungen braucht, um sich sicher fühlen zu können. Meine liebste Haltung dazu ist: Jede(r) hat ihre/seine persönlichen guten Gründe für ihr/sein Verhalten. Da gelingt natürlich nicht immer, gerade wenn es nicht meine guten Gründe sind... Aber es lohnt sich herauszufinden, was den anderen/die andere antreibt. Es schafft persönliche Nähe. Es macht uns zu Brüdern und Schwestern. Und: ist es eine Grundlage, um gemeinsam nach Lösungen für uns und/oder für eine bessere Welt zu suchen.

 

27.12.2019

Angst oder Liebe?


Wenn ich gefragt werde, ob Angst oder Liebe der bessere Antreiber für die Gestaltung der Zukunft ist, dann muss ich nicht lange überlegen. Die Liebe!

Angst ist sicher ein guter Antreiber, wenn es darum geht, vor einem herannahenden Gewitter in einen geschützten Raum zu laufen, oder einem Attentäter zu entkommen. Sobald die Gefahr vorüber ist, ist es aber auch vorbei mit dem Motivator Angst. Sie taugt nur für einen kurzer Sprint. Wenn es um komplexere Themen, wie den Erhalt unserer Erde, geht, holen wir unter Angst gerade nicht das Beste aus uns heraus. Das belegen viele Untersuchungen.


Egal, ob in der Schule oder in der Erwerbsarbeit: unter Angst und Stress können wir nicht unser volles Potential entfalten. Angstlegt Bereiche des Gehirns lahm und sorgt dafür, dass uns nicht unser ganzes vernetztes Wissen zur Verfügung steht. Neue kreative Lösungen finden wir im entspannten Zustand viel leichter. Man denke nur an den Geistes-Blitz unter der Dusche. Mein Favorit in dieser Hinsicht ist das Joggen, bei dem mir oft viel leichter eine rettende Idee kommt, als am Schreibtisch.

Mut etwas zu riskieren
Um neue Lösungen für komplexe Probleme der Zeit zu finden, braucht es in meinen Augen vor allem Mut. Zum Beispiel den Mut etwas zu riskieren, wovon wir nicht sicher sein können, wie es ausgeht. Den Mut zu scheitern, weil neue Wege nur beschritten werden können, wenn Scheitern als Teil der Lösungssuche betrachtet wird.

Und dieser Mut hat etwas mit (Selbst-)Liebe zu tun. Nur wenn meine Liebe zu mir und zur Welt groß genug ist, kann ich mir beim Scheitern gelassen zusehen, zweifele nicht gleich an mir und meinen Fähigkeiten, und kann sofort mit einem neuen Versuch weitermachen, weil mir die Sache wichtig ist.

Mut und Selbstliebe braucht es auch, um dieses Scheitern wirklich wahrzunehmen und nicht drüber hinwegzusehen. Und das ist meines Erachtens ein entscheidender Punkt, der uns die Sorge um eine gesunde Umwelt immer weiter in die Zukunft verschieben lässt. Es ist nicht mangelnde Angst, sondern unsere verhängnisvolle Fähigkeit wegzuschauen. Oft ist diese gepaart mit der Ratlosigkeit über mögliche Alternativen. Dabei kann eine gesunde Selbstliebe auch das Vertrauen generieren, ein Problem, eine Schifflage wahrnehmen zu können, ohne zu wissen wie die nächsten Schritte aussehen müssen – einfach im Vertrauen darauf, dass die bewusste Wahrnehmung des Ist-Zustandes der erste Schritt zu neuen Lösungen ist. Eure Susanne

 

17.12.2019

Erfolg

Manchmal mache ich mit mir selbst eine Coaching-Übung: Ich stelle mir die Frage: Was würde ich tun, wenn ich nur noch fünf Jahre zu leben hätte. Seit zwei Jahren ist die Antwort immer wieder: Mein Selbstliebe-Projekt vorantreiben, den Film machen und eine Gemeinschaft aufbauen, die sich für mehr Selbstliebe einsetzt. Doch immer ging das Geld-Verdienen vor. Schließlich weiß ich als Freiberufler nie, wann der nächste Auftrag kommt, ob ich Morgen noch so gefragt bin, wie heute. Und ob die Rente wirklich für ein gutes Leben reichen wird, kann ich auch nicht selbstsicher mit Ja beantworten.
Ich könnte auch sagen: Meine Selbstliebe hat noch nicht ausgereicht, einfach zu tun, was mir wirklich wichtig ist und darauf zu vertrauen, dass dies den Erfolg ganz von allein nach sich ziehen wird. Vor ein paar Wochen habe ich nun beschlossen, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Ich habe etwas Geld investiert und Anfang Dezember haben wir diese Website, Instagram und Facebook gestartet.
Wie mir das auf einmal möglich wurde, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht war es eine Fastenwanderwoche, in der ich nicht nur körperlich Balast abgeworfen habe? Mein Zögern war auf einmal verflogen. Und jetzt wünsche ich mir, dass Ihr, liebe Leser*innen, auch nicht lange zögert und Euch bei uns als Unterstützer*innen meldet, die sich mit dafür einsetzen, dass dieses Projekt Wirkung zeigt und wir dem Ziel Tag für Tag näher kommen, mit mehr Selbstliebe nicht nur jede(n) einzelne(n) zufriedener, sondern die Welt etwas besser zu machen. Eure Susanne